Wer eigentlich war Laotse?
27. April 2009 | Von Werner Schwanfelder | Kategorie: China blogLaotse, Laozi oder‚Alter Meister‘“ ist ein legendärer chinesischer Philosoph, der im 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben soll. Laotse gilt als Begründer des Taoismus. Das Tao Te King, ein bemerkenswerter taoistischer Text wird ihm zugeschrieben. Die wissenschaftliche Forschung verweist jedoch darauf, dass der Text wahrscheinlich erst im 4. Jahrhundert vor Chr. entstanden ist.
Der Überlieferung nach wurde Laotse in der Präfektur Ku des Staates Chu (heutiges Henan) geboren. Laotse diente wahrscheinlich als Archivar in der Bibliothek der Zhou. Als er Chaos und den Verfall des Reiches vorhersah, verließ er das Land.
Über diesen Abgang gibt es unterschiedliche Versionen. Ca. 70 km westlich von Xi’an, bei Louguantai befindet sich am Shan-Gu Pass ein Tempel, in dem ein Gelehrter einen Turm zur Beobachtung von Gestirnen und Wetter errichtet hatte. Von ihm wurde Laotse der Legende zufolge als er den Pass überqueren wollte aufgefordert, sein Wissen mitzuteilen. Er verfasste damals sein Werk Tao Te King. Nach dieser Niederschrift verschwand er nach Westen.
Eine andere Version erzählt die Geschichte, dass er auf einem Wasserbüffel das Land verlassen wollte. An eben jenem Shan-Gu Pass hielt ihn jedoch ein Grenzwächter auf und forderte einen Obolus ein. Laotse hatte aber kein Geld und keine Wertsachen bei sich. So hielt ihn der Grenzwächter gefangen bis er seine Weisheiten aufgeschrieben hatte.
Vermutlich sind das aber alles nur schöne Geschichten, denn man geht in der historischen Wissenschaft davon aus, dass Laotse nie gelebt hat, dass das Tao Te King (nur) eine Sammlung von allgemeinen Weisheiten ist.
Wie auch immer die Texte von Laotse sind Philosophie in Reinkultur. Sie bedürfen des mehrmaligen Lesens, um sie zu verstehen. Er führt uns immer wieder zu Paradigmenwechsel, also offensichtliche Zusammenhänge, einmal anders zu sehen. Dann erst erschließt sich der Weisheitsgehalt seiner Worte.
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