Versager sind als Führungskräfte unbrauchbar

5. März 2010 | Von | Kategorie: China blog

Wo Erfolg ist, ist auch Misserfolg. Wo hohe Anforderungen gestellt werden, gibt es auch viele Menschen, die diesen Ansprüchen nicht gerecht werden. Wenn man sich das Chaos unserer heutigen Welt ansieht, so könnte man meinen, dass es viele Versager gibt und damit dieses Weltchaos verursachen. Wenn wir den Grund dafür suchen, so könnten wir konstatieren, dass, würde sich jeder analog seiner eigenen inneren Kraft also seiner eigenen Eigenschaften einbringen, es gar keine Versager geben kann. Zum Versager werden sie nur, wenn sie zwar die hohen Anforderungen nicht bestehen können, sie trotzdem nach einer hohen Verantwortung streben. Die eigene Erkenntnis kann einen selbst bewahren zum Versager zu werden. Sollte man dies bei anderen erkennen, sollte man sie auch darauf hinweisen. Vermeintliche Gewinner können zu Versager werden, wenn sie zu viel Gier an den Tag legen.

Lunyu 17.15
Der Meister sprach: Kann man denn mit einem gemeinen Streber in den Staatsdienst treten? Wenn jener den Posten noch nicht hat, fürchtet er doch nur, ihn nicht zu bekommen. Und wenn er den Posten hat, so fürchtet er nur, er könnte ihn wieder verlieren. Fürchtet er aber um seinen Posten, so ist er zu allem fähig.

Lunyu 4.5
Der Meister sprach: Reichtum und Rang – das wünschen sich alle. Kann man beides aber nicht auf dem rechten Weg erlangen, so lässt man es. Armut und niedrige Stellung – das verwünschen alle. Kann man sich aber nicht auf dem rechten Weg davon befreien, so lässt man es. Denn wenn der Edle sich von der Humanität entfernt, was bleibt ihm dann noch? Nicht für die Dauer einer Mahlzeit wendet er sich von ihr ab. In allen Prüfungen und Nöten hält er an ihr fest.

Lunyu 4.11
Konfuzius sprach: Während der Edle nur an seine Tugend denkt, denkt der Gemeine nur an seinen Grund und Boden. Während der Edle nach Gerechtigkeit strebt, strebt der Gemeine nur nach seinem privaten Vorteil.

Lunyu 4.12
Konfuzius sprach: Wer in seinem Tun nur an den eigenen Vorteil denkt, der wird sich viele Feinde machen.

Lunyu 15.2
Als im Staate Chen die Vorräte zur Neige gegangen waren, wurde die Gefolgschaft so schwach, dass sie nicht mehr weiterziehen konnten. Wuterfüllt trat Zig Lu vor Konfuzius und sprach: Kann es denn sein, dass Edle auch Not leiden müssen? Konfuzius sprach: Ein Edler wird in widrigen Umständen noch fester – nur der gemeine Mann wird über die Stränge schlagen.

Lunyu 1.8
Konfuzius sprach: Ein Edler genießt nur dann Achtung, wenn er sich auch würdevoll verhält. Er darf nicht stur auf seiner Bildung beharren, Loyalität und Vertrauen sind ihm das Wichtigste. Er hat nur Freunde, die seiner auch würdig sind. Und hat er etwas falsch gemacht, so schreckt er nicht davor zurück, seine Fehler zu korrigieren.

Manchmal kann unsere größte Schwäche auch unsere größte Stärke sein. So etwa bei jenem Jungen, der im Alter von 10 Jahren beschloss, Judo zu lernen – obwohl er bei einem Verkehrsunfall seinen linken Arm verloren hatte.
Der Junge nahm Judo-Unterricht bei einem Judo-Meister. Er lernte schnell, verstand aber nicht, warum ihm der Meister nach drei Monaten nur einen einzigen Griff beigebracht hatte.
“Meister”, sagte er, “sollte ich nicht mehr Griffe lernen?”
Der Meister antwortete: “Das ist der einzige Griff, den du kennen musst”. Der Junge verstand den Meister nicht, aber er trainierte diesen einen Griff weiter.
Monate später nahm der Junge das erste Mal an einem Turnier teil. Zu seinem Erstaunen gewann er die ersten beiden Kämpfe ohne große Mühe. Beim dritten Kampf hatte er etwas mehr Mühe, aber schließlich gewann er auch diesen mit seinem einzigen Griff, den er kannte. Er hatte es bis in die Endrunde geschafft. Hier traf er auf einen Gegner, der sehr viel größer, stärker und erfahrener war als er. Zunächst schien es, als habe er keine Chance. Der Schiedsrichter hatte sogar Angst, dass sich der Junge verletzen könnte und wollte den Kampf absagen. Der Meister aber beharrte darauf, dass der Junge weiterkämpfen sollte.
Kurz nach Wiederaufnahme des Kampfes machte der Gegner einen Fehler, den der Junge nutzte, um seinen Griff anzubringen. Der Junge gewann das Turnier.
Auf dem Nachhauseweg gingen der Meister und der Junge nochmals alle Kämpfe durch und analysierten sie. Der Junge nahm all seinen Mut zusammen und fragte den Meister:
“Meister, wie konnte ich das Turnier nur mit einem einzigen Griff gewinnen?”
“Aus zwei Gründen” antwortete der Meister. “Erstens beherrscht du einen der schwierigsten Würfe des Judo meisterhaft. Und zweitens besteht die einzige Verteidigung gegen diesen Griff darin, dass dein Gegner deinen linken Arm fassen kann”.
Die größte Schwäche des Jungen war zugleich seine größte Stärke.

Der große Weg ist leicht zu gehen,
doch die Menschen bevorzugen die Seitenpfade.
Erkenn es, wenn die Dinge aus dem Gleichgewicht sind.
Bleib zentriert im Tao.

Wenn reiche Spekulanten Erfolg haben,
während Bauern ihr Land verlieren;
wenn die Regierung Geld ausgibt
für Waffen statt für Hilfsprogramme;
wenn die Oberen verschwenderisch
und verantwortungslos sind,
während die Armen immer ärmer werden –
all dies ist Raub und Chaos.
Es stimmt nicht mit dem Tao überein.
((Tao Te King, 53))

Das Tao tut nie etwas,
doch durch es wird alles getan.
Könnten große Männer und Frauen
ihre Mitte in ihm finden,
würde die ganze Welt, ihren natürlichen Rhythmen gemäß,
von selbst umgewandelt werden.
Die Menschen wären zufrieden
mit ihrem schlichten, alltäglichen Leben,
in Eintracht und frei von Begierde.
Wenn es keine Begierde gibt,
existiert alles und jedes in Frieden.
((Tao Te King, 37))

Versager sind anscheinend solche Menschen, die sich der Gier und Begierde hingeben. Was man dagegen tun kann? Konfuzius stellt die Tugend in den Vordergrund. Und er provoziert uns mit dem Gegensatz: Tugend gegen Reichtum. Auf Reichtum, Ruhm, Ansehen und manches andere muss man nicht verzichten, wenn man sie auf dem rechten Weg erwirbt. Den rechten Weg beschreitet man, wenn man konsequent und bescheiden die eigenen Stärken ausbaut. So können Schwächen sich auch zu Stärken entwickeln. Und Laotse fügt hinzu, dass man die Gerechten, aber auch die Versager an ihren Früchten erkennen wird. Versager stürzen Unternehmen, Finanzmärkte, die ganze Welt ins Chaos. Es liegt an der Begierde. Und man sollte sich immer wieder an Konfuzius errinnern, der einfach vorschlägt, Fehler zuzugeben.

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