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	<title>Werner Schwanfelder &#187; Picknick</title>
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	<description>Worte, Essays, Bücher</description>
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		<title>Ist ein Picknick-Ratgeber notwendig?</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Nov 2008 13:56:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner Schwanfelder</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ratgeber]]></category>
		<category><![CDATA[Freizeit]]></category>
		<category><![CDATA[Picknick]]></category>
		<category><![CDATA[Sommer]]></category>

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		<description><![CDATA[Nein, aber sch&#246;n w&#228;re es schon. Das Manuskript liegt jedenfalls vor. Nun suche ich noch nach einem Verlag. So beginnt der Picknick-Ratgeber, eine Kostprobe: Die Picknickmanie Es wird unzweifelhaft Sommer. Ich erkenne das daran, dass die Kirschen auf dem Markt verkauft werden, deutsche Kirschen wohlgemerkt. Die Tagestemperatur steigt &#252;ber 15 Grad, die Sonne verdr&#228;ngt immer<br /><span class="excerpt_more"><a href="http://www.schwanfelder.info/ist-ein-picknick-ratgeber-notwendig">[weiterlesen ...]</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nein, aber sch&#246;n w&#228;re es schon. Das <strong>Manuskript</strong> liegt jedenfalls vor. Nun suche ich noch nach einem <strong>Verlag</strong>.</p>
<p>So beginnt der <strong>Picknick-Ratgeber</strong>, eine Kostprobe:</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%;"><span style="font-size: 18pt; line-height: 150%; font-family: Arial; mso-bidi-font-size: 12.0pt;">Die Picknickmanie</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: small;">Es wird unzweifelhaft Sommer. Ich erkenne das daran, dass die Kirschen auf dem Markt verkauft werden, deutsche Kirschen wohlgemerkt. Die Tagestemperatur steigt &#252;ber 15 Grad, die Sonne verdr&#228;ngt immer mehr die Wolken. Die Menschen auf den Stra&#223;en sind in der Tat eine Spur freundlicher und der eine oder andere l&#228;chelt sogar. In den Vororten stehen die Menschen in ihren Vorg&#228;rten und begie&#223;en mit Ausdauer Blumen und B&#252;sche. Und selbst in den St&#228;dten pr&#252;fen die Mietshausbewohner mit wohl wollendem Blick die Geranien auf dem Balkon. Ich selbst mag keine Geranien, aber sie symbolisieren f&#252;r mich, mehr als eine andere Blume, den Sommer. Das liegt nat&#252;rlich an meiner Kindheit. Schon meine Mutter pflanzte mit viel Enthusiasmus Geranien und meine Frau ist diesbez&#252;glich nicht weniger emsig.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: small;">Ja, auch an meiner Frau bemerke ich Sommerliches. Sie summt ab und zu ein Lied vor sich hin, wenn sie durch unser Haus streift. Sie h&#246;rt nicht einmal auf zu summen, wenn sie z&#228;rtlich das eine oder andere Unkraut aus unserem Garten entfernt.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: small;">Da ich mit meiner Frau schon viele Jahre verheiratet bin und nat&#252;rlich mit ihr vertrauensvoll zusammen lebe, ahne ich, was mich so in den n&#228;chsten Tagen ereilen wird. Irgendwann wird meine Frau aufh&#246;ren zu summen. Stattdessen wird sie mich anstrahlen mit ihrem sch&#246;nsten L&#228;cheln und sagen: „Werner, ich h&#228;tte Lust auf ein Picknick.“ Ich schlucke dann etwas nerv&#246;s und nicke zustimmen. Sonst gebe ich vorsichtshalber keinen Kommentar ab und widme mich noch intensiver als sonst <span style="mso-spacerun: yes;"> </span>meiner Zeitung in der Hoffnung, dass dieser Kelch an mir vorbeigehen wird.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: small;">Aber ich wei&#223; nat&#252;rlich auch, dass ich in der Realit&#228;t des Lebens keine Chancen habe. Der Sommer ist nun da und es beginnt unweigerlich die Picknickzeit. Diese Phase muss so etwas sein, wie die Brunft bei Tieren. Denn nicht nur meine Frau hat diese Idee, auch alle m&#246;glichen Nachbarn, Freunde, sogar honorige Gesch&#228;ftskollegen.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: small;">Nun gibt es f&#252;r uns eigentlich keinen einzigen Grund, dass wir uns einem Picknick hingeben m&#252;ssten. Wir haben einen wunderbaren Garten und &#228;u&#223;erst bequeme Gartenm&#246;bel. Wir k&#246;nnten eigentlich einfach im Garten fr&#252;hst&#252;cken, Mittag essen, Abend essen, ein Bier trinken, den Nachmittagskaffee genie&#223;en, einen Cognac schl&#252;rfen. Aber darum geht es anscheinend nicht. Picknick steht auf dem Programm. Darunter versteht meine Frau, dass wir alles, was man zum Essen und Trinken ben&#246;tigt einpacken und irgendwo hin fahren. Es sollte eine Wiese sein. (Kommentar: Wir haben in unserem Garten einen wundersch&#246;nen, bestens gem&#228;hten, weichen Rasen.) Absolut ideal w&#228;re es, wenn man auch dem Auge etwas bieten k&#246;nnte, also einen See, einen hohen Berg, das Meer, ein tief eingeschnittenes Tal. All dieses haben wir in unserer Region nicht, daher schauen wir meistens auf ein paar B&#228;ume. (Kommentar: Wir haben in unserem Garten Fichten, Tannen, Kiefern in jeder Gr&#246;&#223;e. Ich k&#246;nnte mir diese B&#228;ume durchaus ausdauernd ansehen.)</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: small;">Ich denke mir, wie sch&#246;n k&#246;nnte doch ein Sommer sein, wenn man keinen Picknickstress h&#228;tte. Ich gebe mich der Illusion hin, dass meine Frau, die Picknick-Aufforderung vergessen hat, aber als das Wochenende naht, wiederholt sie ihren Wunsch. „Werner, ich w&#252;rde mich freuen, wenn wir am Wochenende picknicken w&#252;rden. Ich habe schon mit Claudia gesprochen. Sie kommen auch mit.“ Claudia ist die Busenfreundin meiner Frau und mit Ernst verheiratet. Beide sind begnadete Picknicker. Sie haben lange Erfahrung und berichten begeistert von allen m&#246;glichen Picknick-Erfahrungen. In meinem Kopf ballen sich da immer etwas chaotische Gedanken. Ich kann mich eigentlich an kein gemeinsames Picknick erinnern, das so richtig erfolgreich verlaufen w&#228;re.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: small;">Aber da stehen wir schon vor der Gretchenfrage: Was ist ein erfolgreiches Picknick? Die Anspr&#252;che sind unterschiedlich und es gibt auch viele Menschen, die ein bestimmtes Chaos ben&#246;tigen. Nur dies verbinden sie gedanklich mit einem erfolgreichen Picknick. Ich hingegen br&#228;uchte keinen Picknick-Stress. Ich w&#228;re mit einem belegten Brot am Gartentisch auf meinem Rasen durchaus zufrieden.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: small;">Aber das Schicksal hat bereits gesprochen. Der Termin steht fest: Sonntag um 11.00 Uhr. Diese Freundespicknicks finden bei uns meistens zur Mittagszeit statt. Ich wei&#223; zwar nicht warum, aber so ist es eben. Am Sonntagmorgen ziehen dunkle Wolken auf. Irgendwie finde ich auch, ist die Temperatur unter 15 Grad gefallen, aber meine Frau behauptet, dass ich mir das nur einbilde. Ich wei&#223; nun aus Erfahrung, dass der Kelch an mir nicht vorbei gehen wird. Also f&#252;ge ich mich. Ich suche im Haus zusammen, was man so alles f&#252;r ein entspanntes Picknick ben&#246;tigt. Ich hole eine alte Decke. Ich suche die zwei Weltmeister-Fu&#223;ball-Klapp-Sessel im Keller und finde sie in einer Ecke, wo sie seit dem letzten Picknick im letzten Jahr gut ablagern. Ich entferne die Spinnennetze. In der Diele t&#252;rmen sich mittlerweile die praktischen Klappkisten, gef&#252;llt mit Geschirr, Lebensmittel und alles, was man eben so braucht. Meine Frau summt wieder vor sich hin. Sie ist gut gelaunt. Ich habe es immer gerne, wenn meine Frau gut gelaunt ist, daher verbiete ich mir alle mir auf der Zunge liegenden Kommentare. Ich schleppe alles, was sich in der Diele befindet ins Auto. Gl&#252;cklicherweise handelt es sich bei diesem Picknick und eine einfache und simple <span style="mso-spacerun: yes;"> </span>Picknickform. Wir fahren mit dem Auto zum Picknickplatz. Zweifelsohne schwieriger wird es, wenn man mit dem Fahrrad fahren muss oder gar Laufen angesagt ist. Ich empfinde es durchaus als positiv, dass meine Frau nichts &#252;brig hat f&#252;r so ein „Picknick light“. Ein gewisser Stil muss schlie&#223;lich gewahrt bleiben.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: small;">Wir fahren mit dem Auto zu unserem Picknickplatz. Er ist nur etwa zehn Kilometer entfernt. Es ist eine Wiese mit Maulwurfh&#252;gel, Blick auf eine Baumgruppe. Zu erreichen ist sie &#252;ber einen Waldweg. Claudia und Ernst sind schon angekommen. Sie haben ihre Decke ausgebreitet und schleppen diverse Klappkisten heran. Wir tun es ihnen gleich. Bei dieser Gelegenheit stellt meine Frau fest, dass ich auch unn&#246;tigerweise das Geschirr eingepackt habe, das unsere Tochter f&#252;r einen Polterabend abholen will. Sorry, aber es stand in der Diele. Meine Frau mosert, dass ich nicht gewillt sei, mitzudenken, aber dann verzeiht sie mir, denn sie ist in guter Laune.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: small;">Nun wird das Essen aus den unz&#228;hligen Tupperdosen umgeladen in Glassch&#252;sseln. (Was um alles w&#252;rden wir ohne diese Tupperdosen machen?) Ich finde das Essen schmeckt zwar immer etwas nach Plastik, aber es &#252;berlebt jeden Transport bestens.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: small;">Wir stellen dann fest, dass wir den Korkenzieher vergessen haben. Claudia und Ernst haben auch keinen Korkenzieher dabei. Sie trinken lieber Bier. Das ist nun wirklich &#228;rgerlich, denn ich habe einen wunderbaren gek&#252;hlten Chablis eingepackt. Wir diskutieren, wessen Schuld das ist. Ich bin nat&#252;rlich der Meinung, dass dies eindeutig eine Nachl&#228;ssigkeit meiner Frau ist, weil sie das Besteck einpackt und der Korkenzieher geh&#246;rt zum Besteck. Meine Frau ist anderer Meinung. Ich war f&#252;r den Wein zust&#228;ndig und zum Wein geh&#246;rt eindeutig der Korkenzieher. Wir beschlie&#223;en, die Diskussion abzubrechen. Ich gebe meiner Frau recht.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: small;">Ich erinnere mich, dass ich im Autowerkzeug einen Korkenzieher deponiert habe und wirklich – er ist noch immer da. So ist das Picknick gerettet. Ich &#246;ffne also mit gro&#223;er Vorfreue den Chablis, gie&#223;e ihn langsam in die Gl&#228;ser, proste Ernst zu, der gen&#252;sslich sein Bier trinkt. In diesem Augenblick f&#228;llt der erste Tropfen. Ich bemerke ihn als erster, sage aber nat&#252;rlich nichts. Ich sehe argw&#246;hnisch gegen den Himmel, wo schwarze Wolken aufgezogen sind. Wir waren so mit dem Picknick besch&#228;ftigt, dass wir die Wetterver&#228;nderung gar nicht wahrgenommen haben. Es tr&#246;pfelt. Ich denke, dass dies schon vergeht. Ich habe aber nicht mit meiner Frau gerechnet. Sie liebt Picknicks, aber sie hasst Regen. Ich merke, wie sie ganz nerv&#246;s wird. Dann eilt sie missmutig zum Auto.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: small;">Ich bin die Ruhe selbst, so ein bisschen Regen kann man ja wohl aussitzen. Das wird schon wieder. Aber dann bemerke ich wie Claudia und Ernst auch immer nerv&#246;ser werden und dann beschlie&#223;en, das noch nicht begonnene Picknick abzubrechen. Ich nehme noch einen tiefen Schluck vom Chablis. Dann packen wir eilig alles ein und verstaunen es in unseren Autos. Es tr&#246;pfelt tapfer weiter.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: small;">Wir beschlie&#223;en, zum Italiener zu gehen. Er hat ausgezeichnete Pizzen. Als wir dort ankommen scheint die Sonne bereits wieder. Wir sitzen im Wirtsgarten und genie&#223;en unsere Pizza. Ein Mittagessen kann doch so angenehm und gem&#252;tlich sein.</span></span></p>
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