Sparmaßnahmen im Sanitärbereich
9. August 2008 | Von Werner Schwanfelder | Kategorie: Glossen zum Management„Nichts ist tabu.“ hatte Bröselmann gesagt und alle Mitarbeiter um Vorschläge gebeten. Ein junger Mitarbeiter namens Findelsack war besonders erfinderisch. Er reichte dem Entscheidungskreis für Kostensenkungsmaßnahmen mehr als 30 Kostensenkungsvorschläge ein. Bröselmann war so angetan, dass er den jungen Mann kennenlernen wollte.
Findelsack fühlte sich im Vorstandsbüro unwohl. Das merkte man ihm sichtlich an. Aber Bröselmann gab sich jovial, er bot dem jungen Mann einen Platz an, und ließ ihm Kaffee und Kekse servieren.
„Es hat mich sehr erfreut, dass Sie so viele kluge Kostensenkungsvorschläge eingereicht haben.“ Sagte Bröselmann. „Ich setze mich persönlich dafür ein, dass alle umgesetzt werden.“
Er lächelte und Findelsack lächelte scheu zurück.
„Woher haben Sie denn all die Ideen?“ fragte Bröselmann.
„Das ist ganz einfach. Ich laufe mit offenen Augen durch die Firma und immer finde ich Möglichkeiten des Sparens.“
„Können Sie mir denn einige Ihrer Vorschläge benennen?“ fragte Bröselmann interessiert.
„Aber gerne.“ antwortete Findelsack. „Ich habe vorgeschlagen, keine Papierblöcke mehr zur Verfügung zu stellen, weil man auch auf Fehlkopien, die sonst nur weggeworfen werden, schreiben kann. Ich habe vorgeschlagen, die Kaffeeautomaten in den Pausenecken abzuschaffen, da sich jeder Mitarbeiter auch selbst um seinen Kaffee kümmern kann. Ich habe vorgeschlagen, die Firmenhandys abends im Büro einzusperren, da dann in der Freizeit nicht mehr telefoniert werden kann. Ich habe vorgeschlagen, die Toilettenpapierrollen erst auszutauschen, wenn sie wirklich leer sind. Ich habe beobachtet, dass die Toilettenreiniger die angebrochenen Toilettenpapierrollen mit nach Hause nehmen.“
Bröselmann ließ sich ausführlich informieren und war von dem jungen Mitarbeiter richtig beeindruckt.
„Aus Ihnen wird einmal etwas werden. Sie haben hohe Managementbegabungen.“
Findelsack verließ das Vorstandsbüro mit einem guten Gefühl und auch Bröselmann hatte ein gutes Gefühl. Solange man solche Mitarbeiter hat, kann nichts passieren.
Später hatte Bröselmann dringende Bedürfnisse. Er begab sich auf die Toilette, setzte sich schwer seufzend. Die Verantwortung drückte ihn. Er machte, was zu machen war. Als er sich säubern wollte, bemerkte er, dass sich nur noch zwei magere Blätter auf der Rolle befanden. Diese nutzte er so ökonomisch wie möglich. Aber sie genügten nicht. Seine Augen suchten die kleine und enge Lokalität ab, aber er fand keinen Ersatz. In seiner Not opferte er sein Unterhemd.
Als er wieder im Büro war, ließ er den Vorsitzenden des Entscheidungskreises für Kostensenkungsmaßnahmen kommen und teilte ihm mit, dass er gefeuert wird, wenn er noch einmal so dumme Kostensenkungsvorschläge in die Tat umzusetzen gedenke.
Den Namen Findelsack wollte er sich merken.


