Sitz
19. Juli 2010 | Von Werner Schwanfelder | Kategorie: Kunst+Kultur![P1000310[1]](http://www.schwanfelder.info/blog/wp-content/uploads/2010/07/P10003101-300x225.jpg)
![P1000309[1]](http://www.schwanfelder.info/blog/wp-content/uploads/2010/07/P10003091-300x225.jpg)
„Bei ARD und ZDF sitzen Sie in der ersten Reihe.“ Bei uns zwar auch. Aber diese Sitzgelegenheit ist ein Kunstwerk. Mit dem Sitzen setzen wir uns daher nur gedanklich auseinander.
Das Werk stellt einen klassischen Doppelsitz dar, geeignet zur gleichzeitigen Nutzung. Rechts und links von einer Bürste flankiert. Die Kombination ist in sich schlüssig. Bürste und Toilettensitz ergänzen sich. Bemerkenswert die unauffällige, fast unaufdringliche Duplizierung in diesem Werk.
Man kann seinen Gedanken Raum für Entfaltung geben. Durchaus richtig wäre die Feststellung „auf dem Trockenen sitzen“. Das Untergrundmaterial ist Holz. Darauf Plastik, in schwarz, weiß und rot, farbgenau angeordnet.
Wortspiele und Gedankenspiele: So sitzt man, jenseits der gedanklichen Realität, auf dem Trockenen. Sitzt man faktisch, würde es auch nicht stören, wenn man einen sitzen hätte. Dies könnte man durchaus auf sich sitzen lassen. Das Kunstwerk erinnert ebenso daran, jemanden sitzen zu lassen. Dieser kann dann auch sitzen bleiben, wenn es erforderlich sein sollte.
Das Kunstwerk thematisiert den Begriff Sitz. Das Kunstwerk ist ein Sitz, genau gesagt ein Doppelsitz. Das gedankliche Sitzerlebnis kann jedermann und jederfrau nachvollziehen, weil die angedeutete Situation allgemeiner Erfahrungsschatz ist. So hat das Kunstwerk nicht nur eine optische Funktion, sondern bietet auch eine intellektuell-gedankliche Auseinandersetzung. Es ist angezeigt, wenn der Betrachter möglichst schweigend die Wirkung dieses Werkes in sich aufnimmt und reflektiert.

