Shaolin: Fünftens – Sei gegenwärtig in allem, was du tust und handle aus der Gegenwart heraus
21. September 2009 | Von Werner Schwanfelder | Kategorie: China blogFünftens
Sei gegenwärtig in allem, was du tust und handle aus der Gegenwart heraus
Kommentar von Laotse:
Du stürzt dich ins Handeln – und scheiterst so.
Du versuchst, Dinge an dich zu reißen – und verlierst sie so.
Du erzwingst den Abschluss eines Projekts –
Und machst so zunichte, was fast vollendet war.
Daher handeln die Meister, indem sie den Dingen freien Lauf lassen.
Sie bleiben am Ende so ruhig
Wie am Anfang.
Sie haben eben nichts,
somit haben sie nichts zu verlieren.
Ein Zen-Mönch antwortete auf die Frage, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen so konzentriert arbeiten könne: “Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich spreche, dann spreche ich.” Der Fragesteller unterbrach den Mönch und sagte: “Das machen wir ja auch, was machst Du darüber hinaus?” Der Mönch sagte nochmals: “Wenn ich stehe, dann stehe ich, wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich spreche, dann spreche ich.” Wieder entgegnete der Fragesteller: “Das tun wir ebenfalls!” “Nein”, antwortete der Mönch: “Wenn ihr steht, dann lauft ihr schon, wenn ihr lauft, seid ihr schon am Ziel.” Fazit: Konzentriere Dich nur auf etwas – auf das, was Du im Augenblick tust.
Kommentar von Laotse:
Sei gegenwärtig in allem, was du tust,
die einzige Wirklichkeit ist jetzt.
Solange du Vergangenem nachhängst oder Zukünftigem nachstellst
bist du nicht wirklich hier, am Leben.
Die fünfte Zeile im Kodex lautet:
Ich bin und lebe im Heute.
Erkenntnis
Ich denke nach. Jetzt. Die Zeit ist jetzt. Natürlich stimmt es. Ich bin hierher gekommen, um den Anstoß zum „richtigen“ Nachdenken zu erhalten, um die Zeit zu haben, nachzudenken. Jetzt mag durchaus der richtige Zeitpunkt dafür sein. Ich denke mir, dass es schon eine Lehre wäre, behutsamer mit meiner kostbaren Zeit umzugehen. Die Zeit ist zu handhaben wie eine bedeutende Investition. Und außerdem kann ich meine Zeit als Geschenk nutzen, für meine Frau zum Beispiel und für meine Töchter. Ihnen habe ich in den vergangenen Jahren zuwenig Zeit gewidmet. Und ich bin mir jetzt ganz klar darüber, dass ich die Konsequenzen zu tragen habe. Nächster Vorsatz: Ich weiß, dass ich vieles unwiederbringlich versäumt habe, weil ich die Gelegenheiten des Jetzt nicht wahrgenommen habe. Das werde ich ändern!
Die Texte stammen aus meinem Buch oder aus den Materialien zu meinem Buch „Die Weisheit des Shaolin“, erschienen im Campus Verlag:

