Shaolin: Erstens – Sei du selbst, erkenne dich, spüre dich
11. September 2009 | Von Werner Schwanfelder | Kategorie: China blogErstens
Sei du selbst, erkenne dich, spüre dich
Kommentar von Laotse:
Wenn gewisse Dinge als schön gelten,
werden andere Dinge hässlich.
Wenn gewisse Dinge als gut gelten,
werden andere Dinge schlecht.
Sein und Nichtsein erzeugen einander.
Schwierig und leicht stützen einander.
Lang und kurz bestimmen einander.
Hoch und niedrig sind abhängig voneinander.
Vorher und nachher folgen einander.
Daher handelt der Meister,
ohne irgendetwas zu tun,
und lehrt, ohne etwas zu sagen.
Die erste Zeile im Kodex lautet:
Ich weiß, was ich bin. Ich erkenne mich selbst und achte auf das, was ich spüre.
Erkenntnis
Ich habe mir vorgenommen, meine Erfahrungen hier im Kloster festzuhalten.
Das erste Ziel ist das Gehen auf dem Weg, das habe ich gelernt. Ein Weg kann als Richtschnur dienen, aber er muss kein festgelegter Pfad sein, er kann trotzdem Freiheiten, Umwege oder Abkürzungen bieten. Das ist irgendwie tröstlich.
Viel zu lange habe ich nur auf die Oberfläche geblickt und an ihr alles gemessen. Doch erst im Ganzen entsteht Harmonie. Sein und Nichtsein erzeugen einander, schwierig und leicht stützen einander, lang und kurz bestimmen einander. Meine Schwächen sind ein Teil von mir. Solange ich sie nicht erkenne, sind auch meine Stärken nichtig. Mein Vorsatz: kritische Selbstbetrachtung – wer ist dieser Peter wirklich?
Die Texte stammen aus meinem Buch oder aus den Materialien zu meinem Buch „Die Weisheit des Shaolin“, erschienen im Campus Verlag:

