Nichtwissen ist wahres Wissen – und eine buddhistische Fabel
23. Februar 2010 | Von Werner Schwanfelder | Kategorie: China blogLaotse mutet uns wiederum den Paradigmenwechsel zu. Nicht auf das Wissen kommt es an. Das verstellt manchmal sogar den Blick auf sich selbst und auf andere. Anscheinend kann man auch zu viel Wissen haben? Laotse meint, dass uns Wissen auch im Wege stehen kann.
Nichtwissen ist wahres Wissen.
Anzunehmen, man wisse, ist eine Krankheit.
Sieh zunächst ein, dass du krank bist;
dann bist du auf dem Weg zur Gesundheit.
Ein Meister ist sein eigener Arzt.
Er hat sich von allem Wissen kuriert.
Folglich ist er wahrhaft ganz.
((Tao Te King, 71))
Eine buddhistische Legende besagt das Folgende:
Vater und Tochter verdienten sich als Akrobaten ihr Brot. Ihnen war bewusst, dass sie stark von der Geschicklichkeit und Aufmerksamkeit des jeweils anderen abhängig waren. Während der Vater einen massiven Bambusstock auf der Stirn balancierte, kletterte seine Tochter bis hoch auf die Spitze des Stocks.
„Wir müssen aufeinander aufpassen“, sagte der Vater. „Ich auf dich und du auf mich. Wenn du fällst haben wir beide keinen Verdienst mehr.“
„Besser ist, wenn du auf dich aufpasst und ich auf mich“, sagte die Tochter. „Du bleibst ruhig und standfest, wenn ich hoch klettere. Das wird mir helfen. Aber du musst dich auf dich selbst konzentrieren. Ich werde hingegen acht geben, vorsichtig zu klettern, damit mir nichts passiert und ich nicht falle. So soll es sein. Du gibst dein Bestes in deinem Feld, ich gebe das Beste in meinem Feld. Jeder passt auf sich selber auf.

