make or buy Praxisfall: Selbst kochen oder Essen gehen
10. Juli 2009 | Von Werner Schwanfelder | Kategorie: Profi-Einkäufer blogSelbst kochen oder Essen gehen
Karl M., Gruppenleiter im Einkauf hat folgende Stellungnahme gegeben:
Ich bin geschäftlich viel in Thailand. Ich habe beobachtet, dass es in Thailand üblich ist, das Essen an Ständen zu kaufen. Es gibt überall in den Städten, aber auch auf dem Land „fliegende Küchen“, die ihr Essen anbieten. Das Essen wird schnell in Kunststofftüten abgefüllt und mit gekonnten Griffen per Gummiring verschlossen. Ich habe beobachtet, dass die Menschen dann oft mit 10-12 verschiedenen Essensbeutel von 3-4 Fahrküchen nach Hause kommen. Reis scheint im Haus immer fertig zu sein, denn Reis wird selten gekauft.
Der Essens-Kauf ist natürlich für uns Europäer spottbillig, aber er ist auch für die Thailänder günstig. Günstiger, abwechslungsreicher und einfacher als sich selbst frisch zu bekochen. So sparen sich die Thailänder jede Art von Vorratshaltung. Und sie haben alles Essen, dank der Zubereitung im Wok absolut frisch!
Schade, dass es das bei uns nicht gibt. Will man bei uns gut Essen gehen, muss man mit 20 € pro Person rechnen. Da kann man sich dann schon fragen, sind wir eigentlich blöd? Warum essen wir nicht zu Hause? Ich kann beim Chinesen auch Mitnahmeessen kaufen. Da muss man 5 € pro Person veranschlagen (ohne Getränke). Aber irgendwie schmeckt das immer ähnlich und auch ein bisschen fad, jedenfalls nicht so wie in Thailand.
Also haben wir uns überlegt, vermehrt selbst zu kochen. Das Internet ist voll von Rezepten und Anleitungen, die Auswahl der Zutaten ist nach Belieben, die Qualität ist selbst bestimmbar. Bleibt die Arbeit, das Kochen. Aber ist das wirklich immer nur Arbeit? Wenn man abgehetzt von der Arbeit nach Hause eilt und nun noch kochen muss ist das Arbeit. Aber wenn ich mir entsprechende Zeit nehme, kann diese Arbeit auch Spaß machen. Also, haben wir die Losung herausgegeben: Wir kochen mit Liebe. Und: Wir kochen zu zweit. Das bedeutet gleichzeitig viel Kommunikation, denn man kann sich beim Kochen bestens unterhalten Die Idee kann man auch noch erweitern: Man kann mit den Kindern kochen oder mit der ganzen Familie oder eine Kochparty veranstalten. Gut, man kann nicht jeden Mittag eine Kochparty veranstalten, aber manchmal eben doch.
Und es ist fast ein Nebeneffekt, man spart dabei noch ziemlich viel Geld.
Ich kenne viele Menschen, die haben keine Lust zum Kochen. Sie kämpfen mit den folgenden Problemen:
Sie haben die unverrückbare Auffassung, dass Kochen mit Arbeit verbunden ist.
Sie haben zwei bis dreimal einen Kochversuch unternommen. Leider ist der misslungen. Jetzt verzichten sie auf jeden weiteren Versuch.
Sie haben sich sonntags und feiertags bei Mama ernährt
Oder sie holen sich oft was beim Grillmaster, bei McDonald’s, lassen sich Gyros oder Pizza kommen
Sie haben keine Lust, weil sie nicht genau genug wissen, wie Kochen funktioniert
Sie haben ihren Eltern nicht über die Schulter geguckt, wissen deshalb grundlegende Sachen nicht, zum Beispiel wie lange Kartoffeln kochen müssen
Sie wollen sich nicht blamieren
Sie sind zu faul, es dauert alles zu lange.
Sie haben keinen, der sie in die Kunst des Kochens einführt.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es gar nicht schwierig ist, halbwegs gut zu kochen. Man muss nur anfangen. Das ist die Hauptsache. Und wer anfängt, und mit einfachen Sachen beginnt, der klettert auf der Erfolgsleiter immer weiter nach oben.
Also: Mut fassen, anfangen, Fehler machen, daraus lernen, weitermachen: Liebe geht durch den Magen!
Expertenurteil
Die vorliegende Stellungnahme ist noch nicht geeignet, eine make or buy Entscheidung herbeizuführen. Sie ist eher eine Aufforderung über das Thema nachzudenken.
Es sich noch weitere Details und Berechnungen notwendig.

