make or buy Praxisfall: Ich backe mein Brot selbst

10. Juli 2009 | Von | Kategorie: Profi-Einkäufer blog

Ich backe mein Brot selbst

Veronika K, Einkäuferin von Sach- und Dienstleistungen ist begeisterte Brotbäckerin.

Ich bin überzeugte Selbst-Brot-Bäckerin. Das entspricht damit nicht unbedingt einer rationalen (sprich professionellen) Motivation.
Ich bin mir durchaus bewusst, dass mit Brotbacken viel Arbeit und Aufwand verbunden sind. Das hat mich immer gestört und manchmal habe ich mich auch gefragt, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Als ich das ich im Juni dieses Jahres wieder einmal eine solche Backorgie überstanden hatte, die mir zwar Freude machte aber auch viel Zeit kostete, traf ich die Entscheidung, den Prozess zu optimieren und gegebenenfalls meine Strategie zu überdenken.
Ich halte mich durchaus für eine Fachfrau, ich buk mit Backmischungen (ich kenne sie alle!) und mischte mir auch selbst Teig zusammen, ich buk nach alten Backbüchern und kreierte eigene Mischungen, lernte alle möglichen Teigsorten kennen und verwenden.
Und ich bin auch sehr vertraut mit dem Aufwand, der beim Brotbacken entsteht.

Als erstes habe ich beim Bäcker Preisstudien unternommen und festgestellt, dass ich für ein Brot mit 750 gr in der gewünschten Qualität 3,75 € auf den Tisch des Hauses legen muss. Meine Familie vertilgt in der Woche ungefähr drei solche Brote. Die Ausgangslage ist also, dass ich für 2,25 Kilo Brot 11,25 € bezahlen muss. Das heißt also, ich zahle 5 € je Kilo.
Wenn ich in der Woche drei Mal zum Bäcker gehe, muss ich einen Zeitaufwand von 60 Minuten einrechnen. Aber den kann ich wohl nicht ganz ansetzen, weil ich auf dem Weg auch andere Dinge besorgen kann. Ich gehe also von einem Zeitaufwand von 30 Minuten aus.

Ich habe schon eine andere Vorentscheidung getroffen: Wenn ich weitermache, dann nur mit einem Brotbackautomaten.
Angeregt hat mich auch eine Freundin, bei der ich ein wunderbar delikates selbst gebackenes Brot gegessen habe. Ich war voll des Lobes. Und dann hat sie mir gestanden, dass sie einen Backautomaten verwendet.
Solche Automaten sind keine neue Erfindung. Es gibt sie schon lange. Im Laufe der Zeit haben sie sich stark verbessert.
Nach bester Einkäuferpraxis habe ich versucht eine Spezifikation zusammenzustellen. Ich habe also aufgeschrieben, welche Eigenschaften so ein Gerät haben soll. Dann habe ich unzählige Testberichte gelesen und mir eine Meinung gebildet. Ich habe eine Checkliste erstellt und mittels dieser Checkliste alle in Frage kommenden Modelle überprüft.
Aus meiner Selektion kam schließlich ein Gerät heraus, das für meine Bedürfnisse geeignet erschien.
Dieses Gerät hatte folgende Eigenschaften:
Kosten: 120 €
Ein leistungsstarker Motor mit 700W. Er wird sogar mit schwerem Vollkornteig fertig
Zwei große Teigflügel vermengen die Zutaten im Rechts-/Linkslauf
Die elektronischen Warntöne sind so laut, dass ich sie auch in meinem Arbeitszimmer hören kann.
Der Backautomat mischt automatisch alle Zutaten und er backt mein Brot völlig selbständig.
Außerdem knetet er meinen Plätzchenteig und achtet auch auf die vernünftige Mischung und Gehzeit meines Pizza- oder Hefekuchenteiges.

Nun mache ich die Gegenrechnung. Ich verwende eine Backmischung. Sie kostet 1,29 € und reicht für zwei 500gr Brote. Jetzt muss ich noch die Abschreibung für den Backautomaten einrechnen. Wenn ich davon ausgehe, dass er 5000 500gr-Brote „überlebt“, wobei dies mehr oder weniger willkürlich geschätzt ist, dann muss ich als Abschreibung 0,05 € einsetzen. Den Strom für den Backofen habe ich mit 0,21 € ausgerechnet. Ein Kilo Brot kostet mich damit 1,55 €. (Im Unterschied zu 5 € beim Bäcker!!!)

Nun folgt aber die Zeitbetrachtung. Ich benötige für die Zubereitung des Brotteiges (für ein Kilo) (Backmischung in die Schüssel kippen, Wasser dazu, mixen) 15 Minuten. Dann muss der Teig ca. 1,5 Stunden gehen. Dann muss ich den Teig noch einmal kneten, das dauert inklusive Tischplatte säubern und Hände vom Hefeteig befreien ca. 10 Minuten. Nach einer Stunde Backzeit im Ofen ist das Werk fast vollendet. Dann muß noch abgespült und aufgeräumt werden.
Ich stelle fest, dass ich selbst 35 Minuten für das Brotbacken investieren musste, aber zwischendurch guckt man nach dem Teig, guckt in den Ofen, muss die Kastenform einfetten, muss die Kastenform spülen, d.h. man muss schon gut zwei Stunden präsent sein. Aber in der Zeit kann man sich natürlich auch anderweitig beschäftigen.
So lautet die Zeitbilanz: 35 Minuten für das make, 12 Minuten benötige ich umgerechnet für ein Kilo in der Alternative buy.

Damit stellt sich natürlich die Frage, ob sich das Ganze lohnt. Wie bewerte ich meine Zeit? Ich investiere für ein Kilo Brot in der Alternative make 23 Minuten an „Mehr“-Arbeit, dem gegenüber kann ich einen Kostenvorteil von 3,45 € erwirtschaften. Mein Arbeitseinsatz wird also mit einem Stundenlohn von 9 € belohnt. Das liegt über einem diskutierten Mindestlohn von 7,50 € und ist daher durchaus interessant.

Ich habe mich für die Variante make entschieden, weil ich einen Kostenvorteil erkenne, aber auch, weil ich dieses Brot besonders gerne esse und weil ich die Tätigkeit des Brotbackens als einen kreativen Aspekt meines Lebens sehe.

Expertenurteil
Veronika K. hat ihre Rechnung überlegt und konsequent aufgemacht. Sie hatte alle wesentlichen Kriterien berücksichtigt.
Sie geht davon aus, dass sie Expertin ist. Sie will ihr Können auch noch weiter trainieren. Das bedeutet auch, dass die gewünschte Qualität sicher gestellt ist.
Brotbacken hat keine strategische Bedeutung für den Haushalt. Sie begibt sich nicht in eine logistische Abhängigkeit. Wenn ihre zur Verfügung stehende Zeit knapp ist, kann sie ohne Probleme auch beim Bäcker einkaufen.
Der Kostenvorteil ist eindeutig. Und rechnet man ihn auf ein Jahr hoch, dann ist er schon beträchtlich. Sie behauptet, dass sie in der Woche 2,25 kg Brot benötigt, das sind im Jahr ca. 100 kg. Daraus ergibt sich im Jahr eine Kostenreduktion des Haushalts um 345 € bei einer zusätzlichen Arbeitsbelastung von 38 Stunden.
Und weiterhin kommen „weiche“ Kriterien wie Freude an der Arbeit, Kreativität, Lust am Geschmack hinzu.
Ohne Einschränkungen empfehlenswert

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Ein Kommentar auf "make or buy Praxisfall: Ich backe mein Brot selbst"

  1. Rosa sagt:

    Wir backen auch hin und wieder unser Brot selbst. Dies aber immer zu tun, kann ich mir gar nicht vorstellen, aber wenn die Kostenersparnis tatsächlich besteht, dann sollte man es sich vielleicht doch einmal überlegen.

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