Frei von Begierde, erkennst du klar das Geheimnis.
6. Juli 2010 | Von Werner Schwanfelder | Kategorie: China blogIn Begierde verstrickt, siehst du nur die Erscheinungsformen.
Doch Geheimnis und Erscheinungsformen
entspringen aus derselben Quelle.
Diese Quelle bezeichnet man als Dunkelheit:
Das Dunkel inmitten von Dunkelheit, das Tor zu allem Verstehen.
((Tao Te King, 1))
Der chinesische Steinmetz
Es war einmal ein Steinmetz. Er ärgerte sich Tag für Tag über den Kaiser, den Kaiser von China. Er trieb die Steuern in die Höhe und behandelte jeden, der nicht seiner ebenbürtig war, wie Dreck. Der Steinmetz verdiente nicht viel Geld mit seiner Arbeit. Darum hatte er nicht viel Geld für sich selbst.
Eines Tages wünschte er sich, mächtiger zu sein als der Kaiser. Ihm sollte dieser Wunsch erfüllt werden. Er wurde zur Sonne, die mächtiger war als der Kaiser. Doch es gab noch etwas, das mächtiger war als die Sonne: die Wolken. Sie nehmen der Sonne das Licht. So wurde er zur Wolke. Es gab aber etwas, das noch mächtiger war: der Wind. Er kann die Wolken vertreiben. Der Wind war aber nicht so mächtig wie der Stein. Er hält dem Wind stand. Das Einzige, was noch stärker war als ein Stein, ist ein Steinmetz. Er kann den Stein zerschlagen. Und so wurde der Steinmetz wieder zu dem, was er war. Mit einem kleinen Unterschied: Er war glücklich.
((nach: www.1000-maerchen.de [09.03.2007]))
Versagen ist eine günstige Gelegenheit.
Gibst du jemand anderem die Schuld,
dann nimmt das Beschuldigen kein Ende.
Daher erfüllen die Meister ihre eigenen Verpflichtungen
und berichtigen ihre eigenen Fehler.
Sie tun, was sie tun müssen,
und verlangen nichts von anderen.
((Tao Te King, 79))
Das große Tao fließt überallhin.
Alle Dinge gehen aus ihm hervor,
doch es erschafft sie nicht.
Es ergießt sich in sein Werk,
doch es erhebt keine Forderung.
[…]
Da es mit allen Dingen verbunden
und in ihrem Innersten verborgen ist,
kann man es bescheiden nennen.
Da alle Dinge in es hinein verschwinden
und nur dies allein bestehen bleibt,
kann man es groß nennen.
Es ist sich seiner Größe nicht bewusst;
folglich ist es wahrhaft groß.
((Tao Te King, 34))
In der Tat, die Bescheidenheit ist der Schlüssel zum Erfolg. Und die Erfolgreichen tun gut daran, den Anfang zu machen. Sun Tzu beschreibt den erfolgreichen und bescheidenen Feldherrn, Konfuzius beschreiben wie bescheiden der Edle handelt und Laotse übt sich im Paradigmenwechsel. Der Große wird so richtig groß, wenn er bescheiden klein bleibt. Eben wie der chinesische Steinmetz. Und er ist darüber hinaus auch noch glücklich geworden.
Wie »leicht« haben es Menschen, die in sich gefestigt sind. Wie »schwer« haben es viele Manager, die überfordert sind und mit ihrer Tätigkeit nicht zurechtkommen. Wie problematisch ist es für die Menschen, die solchen Managern ausgeliefert sind. In der Krise demaskieren sich die Unbescheidenen.

