Gebote

Die Verkehrsregeln zum wahren Leben: die „10 Gebote“

Erinnern Sie sich an meine Aufsätze zu den Werten? Ich bleibe bei dem Thema, weil es mich immer wieder herumtreibt. In diesem Sinne und Verständnis bewegt mich der Inhalt der „10 Gebote“. Das sind die christlichen Verkehrsregeln. Sie geben an, wann die Ampel grün, wann rot ist. Die zehn Regeln ordnen das Verhalten der Menschen gegenüber Gott und das Verhalten der Menschen untereinander. Mich faszinieren daran die dramatische Geschichte der Entstehung der „10 Gebote“ (um die es hier aber nicht gehen soll), die psychologische Professionalität der „10 Gebote“ (die Betonung liegt auf der Zahl 10) und die Einsicht, dass die Menschen anscheinend Regeln für ihr Leben brauchen. Für diese Regeln waren zunächst überall auf der Welt die Religionen zuständig. Im Islam finden wir solcherart Regelwerk in der Sure 17,22-39. Auch in buddhistischen Schriften gibt es Kataloge von negativen Handlungsweisen; darunter „zehn unheilsame Handlungen“. Im Daoismus gibt es „zehn gute Taten“ und „fünf Gebote“. Und auch in der Philosophie des Yoga gibt es Yamas und Niyamas. Und gehen wir in der Geschichte noch weiter zurück, so finden wir im Ägyptischen Totenbuch eine Liste, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit unserem Dodekalog (Zwölfwort, Dtn 27, 15-26) aufweist und die man durchaus als die Vorlage der 10 Gebote betrachten kann. Wir wollen aber nicht vergleichen oder diskutieren, wer Anspruch auf eine originäre Idee erheben darf. Wir wollen nur feststellen, dass es für das Zusammenleben der Menschen Regeln bedarf und diese Erkenntnis die Menschheit seit vielen Jahrtausenden begleitete.
Heute leben wir in einer eher verwirrenden Vielfalt von Geboten. Der Staat gab uns Gesetze und Verordnungen, die Vereine bescherten uns Verhaltenskodices ob das nun die Pfadfinder sind oder die ehemaligen Jungpioniere in der DDR. Die Unternehmen bemühen die englische Sprache und benennen ihre Gebote „mission statements“ oder „compliance programs“ oder „business conduct guidelines“. Das klingt alles souverän, aber es könnte sein, dass wir auch etwas den Überblick verloren haben in dem Wust der Gebote und somit aus Nichtwissen eher instinktiv handeln, ob dies nun ein Gesetzesverstoß ist oder nicht. Die Flut von Verordnungen, Geboten, Gesetzen ist so umfassend, dass man sich darinnen durchaus verstricken kann. Davon leben Anwälte, Berater und auch Behördenmitarbeiter trefflich. Je komplizierter eine Materie, desto mehr Berater und Helfer werden benötigt. Dazu kommt, dass Gesetze und Gebote anscheinend der Interpretation bedürfen. Klingen für mich die christlichen „10 Gebote“ noch relativ einfach, bedrückt mich die Auslegung von Luther, da sie mir meine Unvollkommenheit klar macht. Begreife ich das Grundgesetz noch einigermaßen, ist mir die Umsetzung in Verwaltungsrichtlinien mehr als suspekt. Und verstehe ich auch den Sinn einer Besteuerung verfange ich mich doch im Netz der Steuerrichtlinien. So komme ich zu dem Schluss: Ja, wir brauchen Richtlinien, Gebote, Gesetze, aber weniger ist manchmal einfach mehr. Bei John Knittel hört sich das folgendermaßen an: „Was Gesetze sind? Man befiehlt dir alle möglichen Dinge, und du musst den ganzen Tag gehorchen. Dabei erzählt man dir von morgens bis abends, du seiest ein freier Mensch und könntest tun und lassen, was dir gefällt.“
Welch ein psychologisches Genie hat nun den Christen keinen Codex, kein mehrbändiges Gesetzeswerk überlassen, sondern einfach 10 Gebote? Einfach, nein, einfach gekonnt ZEHN Gebote. Das leuchtet uns ein, da macht es klick und wir wissen es trefflich. „10 Gebote“ bestimmen unsere Leben. Da komme ich zur Erkenntnis: unser Gott ist ein Genie!
Dann stelle ich mir natürlicherweise die nächste Frage: Welche Verbindlichkeit haben Gebote und Gesetze? Bleiben wir bei den Geboten der Straßenverkehrsordnung. Ich sehe ein, dass alle rechts fahren müssen oder links, aber eben alle. Aber muss ich nachts auf weithin autoleerer Straße eine rote Ampel beachten? Wenn ich aber das eine Gebot frei interpretiere, warum sollte dies für das andere Gebot nicht möglich sein? Natürlich wird man vom nächtlichen Rotlicht nicht eine Ableitung auf einen Mord treffen können. Aber schon eher auf eine kleine Steuerhinterziehung und so ein bisschen korrupt ist doch anscheinend jeder, oder? Vielleicht sind aber Gesetze und Gebote gar nicht so wichtig, sondern lediglich die Strafe motiviert uns zur Beachtung. Dies meint jedenfalls Camus in seinem Stück „Pest“. Und das hat uns das Volk Israel doch auch vorexerziert.
Nun wollen wir an dieser Stelle nicht alle Gesetze der Welt behandeln, sondern nur die 10 Gebote. Müssen wir die alle beachten? Gibt es vielleicht begründete Entschuldigungen, das eine oder andere Gebot nicht zu beachten? Und warum überhaupt Zehn? Zwar ist der Begriff „10 Gebote“ eingängig, bekannt, verführerisch, modern…Aber wer kennt schon die zehn Gebote wirklich? Wer kann sie auswendig aufsagen? Daher bin ich zu dem Schluss gekommen, dass 10 Gebote für uns moderne und gestresste Menschen viel zu viel sind. Ich habe den Rotstift angesetzt und sie auf vier Gebote zusammengestrichen. Vier Gebote kann sich jeder Mensch merken – und wenn er sie verinnerlicht hat, kann er sie vielleicht sogar halten.

Das erste Gebot: Achte und ehre Gott
Das erste Gebot betrifft das Verhältnis der Menschen zu ihrem Gott. Eigentlich trivial und damit überflüssig. Wenn ich als Christ, als Gottesverehrer mein Gegenüber als Gott erkenne, werde ich ihn automatisch achten und ehren. Das ist die pure Selbstverständlichkeit. Das geht gar nicht anders. Der winzige Zwerg, der die Allmacht Gottes vor sich sieht, muss diesen Gott achten und verehren. Natürlich gibt es Menschen auf dieser Erde, die Gott nicht als Gott erkennen, die keine noch so flüchtige Ahnung von seiner Allmacht haben, die im Geiste blind durch diese Welt laufen. Es ist selbstverständlich klar, dass diese Geschöpfe Gott nicht achten und ehren, denn sie können nicht etwas achten und ehren, was es in ihrer Welt nicht gibt. Aber für die ist das erste Gebot ohnehin nicht gedacht, denn um in ihrer Logik zu bleiben, wenn ich keinen Gott habe, dann kann ich das Nichts auch nicht achten und ehren.

Das erste Gebot: Achte und ehre Gott.
Auslegung: Ich bin der Herr Dein Gott! Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Du sollst meinen Namen ehren und achten und meiner am Sabbat gedenken.

Auch die Auslegung ist eigentlich überflüssig. Da ist Gott und er ist einmalig. Es gibt nichts Größeres, Besseres, Beeindruckenderes als Gott. Also ehre und achte ich ihn und seinen Namen. Und immer, wenn ich das Wort Gott im Mund führe, bin ich mir dessen bewusst und gedenke seiner. Ich frage mich nur, warum sollen wir Gott nur am Sabbat gedenken? Ich gedenke Gott immer. Das bedeutet konkret: Ich denke (und gedenke) an Gott, wenn ich eine Entscheidung fälle, wenn ich traurig bin und wenn ich mich freue. Wenn ich einkaufe, wenn ich mit den Kindern spiele, wenn ich an einem Manuskript schreibe.
Ich empfinde das wie eine mathematische Gleichung: Gott ist. Gott ist mit mir. Also achte ich diesen Gott in mir immer, wenn ich bin. Und ich bin immer. PUNKT. Das ist das größte und natürlichste Selbstverständnis, die es nur geben kann.
Natürlich achte und ehre ich Gott auch am Sabbat oder am Sonntag. Das hat aber gar nicht so sehr mit meiner Achtung zu tun, sondern eher, dass es einfach schön ist, an einem Tag in der Woche mit anderen Christen zusammen sein, Gemeinschaft feiern zu können. Also tue ich das mehr für mich. Wobei der Sonntag für mich als solcher keine große Bedeutung hat, es könnte auch der Dienstag sein. Und natürlich arbeite ich am Sonntag, wie viele andere Menschen auch. Ich schreibe, meine Frau kocht, meine Kinder lernen. Meine Tochter wird Ärztin und sie wird an vielen Sonntagen in ihrem Leben arbeiten müssen.
Natürlich ist es praktisch, einen Tag in der Woche zu haben, an dem die meisten Menschen frei haben. Man kann Besuche machen, gemeinsam Ausflüge unternehmen. Die Woche und damit das Leben erhalten Strukturen. Solche Strukturen sind gut für den einzelnen und für die Gesellschaft. Daher kann ich gut verstehen, wenn der Schriftsteller Walter Nenzel den Sonntag und den Feiertag als „Atempausen der Seele „ beschreibt. Aber die aktuelle Diskussion um den arbeitsfreien Sonntag hat eigentlich nichts mit Gott-zu-ehren und den Feiertag-zu-heiligen zu tun. Umso mehr, wenn man sich vergegenwärtig, was die Menschen so alles treiben an einem Feiertag. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Menschen die Feiertage mit hektischen Aktivitäten füllen müssen, dass sie nicht von der Langeweile aufgezehrt werden. Und dazu fällt mir Johann Wolfgang von Goethe ein, der eher warnte: „Alles in der Welt lässt sich ertragen, nur nicht eine Reihe von schönen Tagen.“

Das zweite Gebot: Achte und ehre die Familie

Gleich nach Gott kommt die Familie. Wen wundert’s? Die Familie hat schon immer eine dominierende Rolle in der Menschheitsgeschichte gespielt. Dabei ist die Form der Familie vielleicht gar nicht so wichtig. Die Israeliten hatten andere Familieninhalte als wir sie heute haben und als wir sie vielleicht morgen haben werden. Nüchtern ausgedrückt ist eine Familie idealtypisch ein auf Langfristigkeit angelegter Personenverband, zu denen Menschen unterschiedlichen Geschlechts und unterschiedlichen Alters gehören. Die Familienstrukturen verändern sich, was man gerne beklagen kann. Wichtig bleibt in einer Familie immer ein Nucleus, eine Partnerschaft, die die anderen Mitglieder der Familie mit einer gewissen Anziehungskraft bindet.
Gepriesen sei der, der in einer intakten Familie lebt. Er sollte sich um dieses wichtige Gut kümmern und damit das zweite Gebot wortwörtlich befolgen.

Das zweite Gebot: Achte und ehre die Familie.
Auslegung: Du sollst die Familie achten und alle Mitglieder der Familie ehren. Du sollst die Partnerschaft nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Wie schon das erste Gebot ist auch das zweite Gebot zwingend logisch. Wenn ich die Ehe, die Partnerschaft schätze, dann werde ich mich auch darum kümmern und sie achten und ehren. Da lese ich einen Ausspruch von Henry Ford. Er sagte: „Meine Familie hielt so eng zusammen, dass ich manchmal das Gefühl hatte, dass wir eine einzige aus vier Teilen bestehende Person seien“. Aber vielleicht berichtet er aus bereits reichlich überholten Zeiten.
Wer keine Familie hat, ist vielleicht gut beraten, sich an die Familienwurzeln zu erinnern und diese neu zu beleben.
Nun ist es kein Geheimnis, dass es in vielen Familien und Ehen nicht immer harmonisch zu geht. Das muss nicht verwundern und ist für sich auch kein Indiz, das gegen eine Familie spricht. Der Schauspieler Günter Strack bezeichnete die Familie als die kleinste demokratische Zelle. Daraus folgt, dass das Leben in der Familie nicht einfach und leicht ist. Umso wichtiger wird das Gebot, das uns zu Achtung und Ehre des anderen anleitet. Dann wird die Familie zum Hort für Geborgenheit, eine Stätte der Kreativität, der Entfaltung. In der Familie reifen Persönlichkeiten heran.
Vielleicht muss ich an dieser Stelle auf die Begriffe „Achtung und Ehre“ eingehen. Sie klingen reichlich altmodisch. Achtung ist gleichbedeutend mit Respekt vor jemanden. Und Respekt, so können wir bei Wikipedia lesen „bezeichnet eine Form der Achtung und Ehrerbietung gegenüber einer anderen Person. Eine Steigerung des Respekts ist die Ehrfurcht.“ Und „Ehre bedeutet in etwa Achtungswürdigkeit einer Person“, wobei wir wieder beim Respekt wären. Also lasst uns Respekt haben in der Familie, wohl wissend, dass dies nicht trivial ist. Respekt ist solange einfach, wie die Entwicklung einer Familie linear erfolgt. Respekt wird schwierig, wenn sich die einzelnen Familienmitglieder unterschiedlich entwickeln und auch unterschiedliche Wertesysteme annehmen. Aber gerade dann greift die Herausforderung durch dieses Gebot.
Natürlich wird es in jeder „Familie“ zu Schwierigkeiten kommen, werden auch einmal Achtung und Ehre auf der Strecke bleiben. Doch immer wieder soll uns dieses Gebot an unsere Verpflichtung erinnern, damit wir nicht einmal Graham Greene zustimmen müssen, der diesen Satz prägte: „Früher war die Familie eine Tankstelle, jetzt ist sie eine Garage.“ Und noch böser und sarkastischer äußerte sich der alte Spötter Kurt Tucholsky: „Als Gott am sechsten Schöpfungstag alles ansah, was er gemacht hatte, war zwar alles gut, aber dafür war auch die Familie noch nicht da.“
Dies muss auch Gott geahnt haben, so dass er besonders die Familie mit einem Gebot versah. Die Familie war ihm wichtig. Darauf wollte er mit Bedacht seine Menschen hinweisen.

Das dritte Gebot: Achte Dich selbst
Nach Gott, der Familie folgt das Ego. Das dritte Gebot beschäftigt sich mit der Selbstachtung. Ich finde dies enorm, fortschrittlich, weitsichtig. Und außerdem ist es eine alte psychotherapeutische Erkenntnis, dass nur aus der Selbstachtung heraus auch eine Achtung für die Mitmenschen entstehen kann. Wenn ich nicht einmal in der Lage bin, mich selbst zu achten, brauche ich mir auch nicht um andere Gedanken zu machen. Gut gemeinte Ratschläge, Hilfen und Unterstützungen versickern wie die Tropfen eines Baches in der Wüste.

Das dritte Gebot: Achte Dich selbst
Auslegung: Bewahre Deine Selbstachtung, indem Du nicht lügst, nicht stiehlst, nicht mordest. Sei stolz auf Deine Moral aus der Selbstachtung.

Die Selbstachtung speist sich aus zwei Quellen, aus einer inneren Quelle, also aus der eigenen Person heraus, und aus einer äußeren Quelle, aus der Wertschätzung der Mitmenschen heraus. Im Allgemeinen kommt einem mehr Wertschätzung zugute, wenn man nicht lügt, nicht stiehlt, nicht mordet (das mag natürlich für den Anführer einer Gang anders sein), als wenn man seine Mitmenschen betrügt. So regelt das dritte Gebot nicht nur das Verhalten der Menschen untereinander, sondern auch das Innenverhältnis des Menschen.
Dieses Gebot bezieht sich explizit auf drei Verben. Mit nur geringer Fantasie könnte man bereits noch mehr Verhaltens-Verben finden, die man auch unter das Gebot stellen könnte.
Lassen wir es dabei. Es ist schwer genug, die drei Forderungen des Gebotes zu befolgen. Zunächst geht es um die Lüge. Ich gebe zu, dass ich gelogen habe, vermutlich viel zu viel. Der britische Wissenschaftler Albert Vrij von der Uni Portsmouth stellte in einer Untersuchung fest, dass ein Mensch durchschnittlich zweimal pro Tag lügt. (80 Prozent der Lügen sind jedoch von der unschuldigen Art):
Dann erwähnt er zum Beispiel die häufigsten Lügen im Beruf “Ich bin im Stau”, “»Ich arbeite morgen zu Hause”, “Er ist in einer Sitzung”, „Ich habe Ihnen eine Mail geschickt.”, “Interessant, dass Sie anrufen, ich beschäftige mich gerade mit dieser Sache.”, “Wir haben ein Computerproblem”, „Ich habe die Papiere gestern auf die Post gebracht.”. Kommt Ihnen dies bekannt vor? Haben Sie die eine oder andere Redewendung auch schon einmal gelogen? Von William Rogers stammt der Ausspruch: „Die Einkommensteuer hat mehr Menschen zu Lügnern gemacht als der Teufel.“ Aber gerade bei der Einkommensteuer fängt meine Selbstachtung an. Und ich habe mir gerade in Bezug auf meine Einkommensteuer vorgenommen: Ich lüge nicht. Ein Grund ist auch die Einsicht in die Tatsache, die schon Mahatma Gandhi festgestellt hat: „Gutes kann niemals aus Lüge und Gewalt entstehen.“ Also, nicht mehr lügen.
Stehlen? Nein, darüber sind wir erhaben. Wirklich? Ein Verleger auf der Buchmesse hat uns erzählt, dass gestohlen wird, was das Zeug hält. Auch unter Kollegen, unter Geschäftspartnern. So ein Buch verschwindet leicht und zufällig. Und ich habe auch schon im Flugzeug Gläser gestohlen. Es geht nicht immer nur um Dinge. Nicht nur die Chinesen stehlen und imitieren, was das Zeug hält. Auch die christlichen Amerikaner spionieren Wirtschaftsfakten per Geheimdienst und Satelliten aus. Und auch unter deutschen Kollegen wird das geistige Eigentum verletzt – und sei es nur, dass man bei dem Chef einen besseren Eindruck machen will. Also müssen wir auch beim Stehlen einen engeren Maßstab anlegen, wenn wir unsere Selbstachtung pflegen wollen. Also, nicht mehr stehlen.
Aber morden tun wir nicht, da sind wir uns zumindest sicher. Richtig, dafür gibt es auch harte Sanktionen. Es gibt aber andere Länder, in denen man einen Mörder für nur wenig Geld kaufen kann, in denen morden sozusagen eine Dienstleistung ist. Wenn wir nun den Begriff „morden“ etwas weiter fassen, so könnte Mobbing zumindest eine Vorstufe sein. Unzählige Menschen werden bei der Arbeit krank, weil Vorgesetzte, Kollegen oder ganz einfach anonyme Strukturen ihnen zusetzen. „Morden“ findet immer dort statt, wo Macht im Spiel ist, denn gerade die Mächtigen sind anfällig, ihre Macht zu nutzen, um andere zu beschädigen, klein zu halten, einzuschüchtern. Wo Macht besteht, muss irgendwann auch Macht verteidigt werden. Vielleicht mit Lügen, Stehlen und Morden. Macht hat nicht nur der Wirtschaftsboss, Macht hat nicht nur ein Minister. Macht haben die Eltern, die Kinder, der Kollege, die Freundin, der Nachbar, der Kunde, der Lieferant, die Postbotin und der Gärtner. Und Macht geht sogar von Strukturen aus, von beruflichen und privaten Systemen. Wir sollten immer daran denken, dass auch wir, jeder und jede einzelne von uns, irgendwo mächtig ist und man dort seine Macht einsetzen kann, um zu „morden“. Anna Politkovskaja: schreibt in ihrem Buch „Tschetschenien, die Wahrheit über den Krieg“: „Die Logik des Mordens, das ist die Logik, die die Mächtigen verstehen.“ Vielleicht ist das einer der Gründe, dass Christen nicht sehr mächtig sind, weil sie diese Logik nicht verstehen wollen. Und so soll es auch bleiben.
Also nicht mehr mobben, unterdrücken, bevormunden, übervorteilen…
Wir gewinnen unsere Selbstachtung, indem wir uns an das dritte Gebot halten. Dabei wissen wir, dass dies nicht immer einfach ist, manchmal werden wir auch den einen oder anderen seelischen Kraftakt stemmen müssen. Erich Kästner hat dies erkannt: „Das Gewissen…“ so sagt er. „ ist fähig, Unrecht für Recht zu halten, Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180 Grad drehbar“. Das ist möglich und bekannt. Aber Gottes Gebote sind nicht wendbar. Sie stehen unverrückbar.

Das vierte Gebot: Nicht begehren, selber schaffen
Genug des Achtens und Ehrens. Nun sollen wir auch noch aktiv werden. Das Gebot des Schaffens tut dem Menschen gut, es fordert ihn. Gott hat den Menschen erschaffen mit Armen und Beinen, Kopf und Herz. Das alles soll der Mensch nutzen, denn Gott hat keine nutzlosen Kreaturen geschaffen. Gott hat Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen und besteht darauf, dass sie ihre Gaben einsetzen. In Bürokreisen habe ich das folgendes Zitat aufgeschnappt (Quelle: unbekannt): “Haben Sie sich eigentlich schon einmal Gedanken gemacht, warum Sie Ihr Gehalt seit Monaten in Geschenkpapier bekommen?” Was hier sarkastisch und fast etwas bösartig gemeint ist, könnte man ganz wertfrei Gott unterstellen: Ist es uns eigentlich schon einmal aufgefallen, dass unsere Gaben, unsere Eigenschaften, unser Können in Geschenkpapier eingewickelt sind? Weil es eben Geschenke sind. Aber Gott knüpft daran Erwartungen: Er will, dass wir unsere Gaben richtig und tatkräftig einzusetzen.

Das vierte Gebot: Nicht begehren, selber schaffen.
Auslegung: Du sollst keinen Neid hegen und nicht begehren, was sich andere erarbeitet haben, sondern du sollst es dir selbst schaffen.

Was drückt dieses Gebot aus? Wir sollen keine Waschlappen sein, die nur in Kleinkindmanier „Ich auch…“ krakeelen. Wir sollen gefälligst unser Leben selbst in die Hand nehmen und einen Mehrwert schaffen, für uns und unsere Gesellschaft.
Es geht um Materielles, es geht um Geistliches. Es geht ganzheitlich um die Befriedigung unserer Bedürfnisse. Gott hat uns die Bedürfnisse eingepflanzt und uns den machtvollen Antrieb mitgegeben, sie auch befriedigen zu wollen. Dieser Antrieb lässt die Gemeinschaft funktionieren, die Wirtschaft arbeiten und die Familien sich entwickeln. Dieser Antrieb ist die Triebfeder unseres Lebens. Dahinter verbirgt sich ein mächtiges „Ich will!“. Wir sollten uns dessen nicht schämen. Durch unseren Willen schaffen wir Ergebnisse, durch unseren Willen verteilen wir auch Ergebnisse. Durch unseren Willen gestalten wir.
Das will Gott so. Das ist sein Wille. Aber er will, dass wir unsere von ihm geschenkten Fähigkeiten und Gaben nutzen und nicht anderen in die Tasche greifen. Nicht neiden, nicht begehren, nicht stehlen. Sondern ehrlich erarbeiten.
Was ist das für ein Gebot? Ich finde dies ist ein herrliches Gebot. Wir werden aufgefordert, in die Hände zu spucken und ehrliche Arbeit vorzulegen, erzeugt mit Füßen und Händen, Kopf und Herz. Nicht jeder mag dabei gleich geschickt sein. Und ich will (an dieser Stelle) auch nicht über Chancengleichheit nachdenken. Jeder kann etwas schaffen, das seiner Zufriedenheit dient. Der eine ist ein Erfinder, der andere ist ein Organisationsgenie, der andere kann Menschen motivieren und wiederum ein anderer kann Freundschaften aufbauen und pflegen. Alles ist wichtig und notwendig. Gott hat uns das Gebot gegeben, frohen Herzens (voller Achtung) zu schaffen. Vielleicht so, wie sich das auch Theodor Fontane vorstellt: „Die Tränen lassen nichts gewinnen, wer schaffen will, muss fröhlich sein.“

So gab uns Gott also die Gebote, damit wir auf der Erde zufrieden und angeregt leben können. Sie sind uns kein Zwang, sondern ein immer währendes Bedürfnis und eine Verpflichtung gleichermaßen. Sie bieten uns eine gesunde Seele und einen gesunden Körper. Sie sind für uns gemacht.

Zur Wiederholung:
Das erste Gebot: Achte und ehre Gott.
Das zweite Gebot: Achte und ehre die Familie.
Das dritte Gebot: Achte Dich selbst
Das vierte Gebot: Nicht begehren, selber schaffen.

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