Ein Spaziergang durch Segnitz

21. April 2009 | Von | Kategorie: Franken blog

Wir betreten den Ort über die Mainstraße und sehen daher als erstes den alten Wehrturm und das ehemalige „Brüsselsche Institut“. Die beiden Gebäude sind auch das Wahrzeichen von Segnitz.
Bereits vor 1520 war das Dorf mit einem Wall mit Graben und einer dichten Hecke umgeben. 1588 begann man mit dem Bau einer Mauer, die 1597 mit dem Wehrturm abgeschlossen wurde. Das “Kufentor“ am Ortsausgang nach Frickenhausen wurde aber erste 1615 erbaut. Damals hatte Segnitz rundum eine feste Mauer mit drei Toren und drei Türmen. Die “Pförtleinsgasse“ erinnert noch an einen kleinen zusätzlichen Ausgang zum Main.
Daneben steht das Hauptgebäude des ehemaligen Brüsselschen Lehr- und Handelsinstituts. Im Jahre 1848 erhielt der israelitische Religionslehrer Julius Brüssel die Genehmigung zur Gründung einer privaten Handelsschule mit Internat. Das Institut hatte einen guten Ruf. Zu Spitzenzeiten wurden hier mehr als 170 Jugendliche, jüdische und christliche Schüler aus aller Welt unterrichtet. 1882 musste der Lehrbetrieb eingestellt werden.
Geht man Stück hinein in den Ort stößt man bald auf das Rathaus. Es ist nach der Renovierung wieder ein Schmuckstück geworden. Das Segnitzer Rathaus wurde zwischen 1588 und 1591 von dem Baumeister Hans Kesenbrod erbaut. Im Segnitzer Rathaus befindet sich heute das Amtszimmer des Bürgermeisters, der wertvolle getäfelte Ratssaal und ein umfangreiches Gemeindearchiv.
Der Wappenstein über dem Eingang zeigt die Symbole der ehemaligen Dorfherren: Gegenüber befindet sich das markgräfliche Amtshaus, das 1608 von Hans Kesenbrod erbaut. Es war einst Sitz des Vertreters der markgräflich Ansbach-Brandenburgischen Dorfherrschaft.
Etwas weiter im Ort befindet sich die St. Martinskirche. Bereits im 13. Jahrhundert existierte eine Kapelle, die dem heiligen St. Martin geweiht war. Im Jahre 1486 ersetzte man den Dachreiter auf der Kapelle durch einen Turm. Das Langhaus stammt aus der Zeit um 1600 als man gleichzeitig auch den Turm erhöhte.
Eine Mauer mit zwei erhaltenen Türmen schließt die ehemalige Kirchenburg in die Dorfbefestigung ein.
Noch zu erwähnen ist das stattliche Anwesen in der Kirchstraße 3 (gegenüber der Kirche) mit Volutengiebel, Erker und vorgeschobenem Obergeschoß. Es wurde 1593 von Hans Kesenbrod erbaut.

Noch einige Schritte weiter kommt man zum Zehnthaus und zur Zehntscheune. Der heutige Bau stammt aus den Jahren 1685/86. Auch dieser Bau zeugt vom Reichtum des Ortes. Der Vorgängerbau war „mit Lehm und Steinen gar wenig versehen“, was bedeutete, dass die Ertragskraft der Gemeinde damals noch nicht so hoch war. Das „Herrschaftshaus“ war ursprünglich nur zu Zeiten der Weinlese bewohnt und diente den Lehensherren als Kelterstation und Sammelstelle für den Zehnt.
Die Zehntscheune diente einst als Lager für die Abgaben der Segnitzer Bürger. An die Zehntscheune am nördlichen Ortsausgang war das „Obere Tor“ der Dorfbefestigung angebaut. Das Torhaus beherbergte auch die Wohnung des Gemeindehirten. Das Segnitzer Nordtor musste im Jahre 1861 wegen Baufälligkeit und aufgrund des ständig anwachsenden Verkehrsaufkommens weichen.

Zwischen Main und Wein liegt an der südlichsten Spitze des Weindreiecks das Gärtner- und Winzerdorf Segnitz. Die acht Gemeinderäte und der Bürgermeister bezeichnen ihren Ort als den flächenmäßig kleinsten, aber dennoch feinsten im Landkreis.

Segnitz hat eine lange Geschichte. 1142 wurde es erstmals urkundlich erwähnt. Doch aufgrund von Funden geht man davon aus, dass das Gebiet schon vor mehr als 3000 Jahren besiedelt war. Westlich des Ortes, auf dem Kleinen Anger, fand man 1972 ein ausgedehntes vorgeschichtliches Gräberfeld. Das heutige Segnitz dürfte an einer Furt über den Main entstanden sein und gehörte zunächst zu dem Ort Frickenhausen. Der Name Segnitz leitet sich ab von dem althochdeutschem Wort segasna oder segense, was soviel wie Sense bedeutet.

Auch Segnitz erging es wie vielen anderen Orten der Region. Sie wurden mehrmals zwischen Adelsgeschlechtern und Klöstern verkauft und vererbt. 1448 wurde Segnitz kirchlich selbständig und bekam einen eigenen Pfarrer. Im Jahr 1601 führte der damalige Besitzer eines Dorfteils, der Markgraf von Ansbach-Brandenburg die Lutherische Lehre ein. In Segnitz gab es daraufhin zwei Herren mit unterschiedlichen Konfessionen. Diese Doppelherrschaft endete erst Beginn des 19. Jahrhunderts, als sich die alten Herrschaftsverhältnisse auflösten. 1814 kam der Ort schließlich zum Königreich Bayern.

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Mehr Informationen über Segnitz gibt es hier: Link

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