Durch die Täler von Wiesent und Leinleiter – Teil 2

27. März 2010 | Von | Kategorie: Franken blog

Wanderspaziergang
Mit der Wanderung beginnen wir in Gasseldorf. Der Ort liegt am Zusammenfluss des Leinleiterbaches mit der Wiesent am Fuße eines steil aufsteigenden Tafelbergs. Aus der Ferne ähnelt er einer Burganlage. Von ihm hat man eine hervorragende Aussicht über einen großen Teil der Fränkischen Schweiz, ins Wiesent- und Leinleitertal. Der Volksmund nennt den Berg „Hunnenstein“. Und man erzählt sich die folgende Geschichte. Als einst die Hunnen unter ihrem blutrünstigen König Attila im 5. Jahrhundert nach Deutschland kamen durchzogen sie auch die stillen Täler des Jura. Einem Feldherrn aus seinem Gefolge gefiel es im Wiesenttal so gut, dass er beschloss, aus dem Heer auszutreten und sich mit Weib und Kind hier niederzulassen. Hoch droben auf eben diesem Berg baute er sich eine Wallburg aus Holz und Erde und lebte still und zufrieden im Kreise der Seinen. So weit die Geschichte; die Historiker misstrauen ihr, weil man weder weiß wie der Hunne geheißen hat noch wie lange er hier gelebt hat. Viel später, etwa im 12. Jahrhundert, beschloss ein Ritter aus dem Geschlecht der Aufseß an der gleichen Stelle eine mächtige Steinburg erbauen zu lassen. Die Arbeiten begannen plangemäß. Aber der Geist des mächtigen Hunnen riss über Nacht das ein, was am Tag aufgebaut worden war. So gaben die Ritter irgendwann ihren Versuch auf. Der Berg hatte aber seinen Spitznamen abbekommen. Er hieß von nun an „Hunnenstein“.
Übrigens für die Gasseldorfer gibt es auch noch einen Spitznamen, nämlich Hab’ochsen. Die Geschichte geht zurück auf einen Gasseldorfer Bauern, der bei der Predigt des Pfarrers immer ein kleines Nickerchen machte. Er hörte noch den Pfarrer die Geschichte vom Hochzeitsmahl erzählen, dass viele eingeladen waren aber jeder seine Entschuldigung hervorbrachte, einer gerade einen Joch Ochsen gekauft hatte und sich daher ebenfalls entschuldigte. Da schlief der Bauer ein und träumte von seinen eigenen Ochsen. Auf die war er sehr stolz, weil seine Hab’ochsen (Hauptochsen) die besten im Dorf waren. Der Pfarrer hatte seine Predigt gerade mit einem kräftigen Amen beendet, da fuhr der Bauer aus seinem Schlummer hoch und rief ein laut vernehmbares „Hab’Ochs“. Und seit diesem Vorfall nennt man die Gasseldörfer „Hab’ochsen“wenn man sie ärgern will.
Von der Bushaltestelle überqueren wir die Verbindungsstraße nach Unterleinleiter und halten uns zunächst rechts bis zum halb links hoch führenden Druidenweg. Die Markierung ist eine gelbe Raute. Zuerst müssen wir noch auf geteerter Straße gehen, dann auf einem Schotterweg, der langsam ansteigt. Zuerst gehen wir noch am Leinleiterbach entlang, dann führt der Weg hinein in den Wald. Wir kommen durch einen ansteigenden Hohlweg, überqueren eine kleine Schlucht. Es geht weiter über Wiesen und Felder und wir gehen dann abwärts. Der Kirchturm von Unterleinleiter ist unser Wegweiser.

Attraktiver Zwischenstopp
Unterleinleiter liegt inmitten des Leinleitertales, an der Einmündung des Dürrbaches in die Leinleiter, umgeben von Wiesen und Äckern, eingerahmt von den mit mischwaldbedeckten Höhenzügen des Fränkischen Juras.
Die beiden Pfarrkirchen und das Schloss der ehemaligen Freiherrn von Seckendorff prägen den Ort. In der älteren evangelischen Bartholomäuskirche (neben dem Schloss) befindet sich ein Grabmal der Ritter von Streitberg aus dem Jahr 1629. Teile der Kirche gehen bis auf das 11. Jahrhundert zurück. Die katholische Peter-und-Paul-Kirche wurde 1841 erbaut. Besonders wichtig für den Ort war über viele Jahrhunderte das Schloss. Die Herren Motschiedler von Gerau werden in einer Urkunde von 1372 als erste Besitzer genannt. Im 16. Jahrhundert ging es von diesen an die Herren von Stübig und an die Ritter von Streitberg. Im Jahre 1523 fiel es dem Bauernkrieg zum Opfer, wurde aber wieder aufgebaut. 1690 ging fast das ganze Dorf in Flammen auf, wobei auch das Schloss mit zu Grunde ging. 1757 werden durch Heirat die Herren von Seckendorff Schloßherren auf Unterleinleiter. Das Schloss erhielt seine heutige Form um 1770.
In dem Schloss war im August 1780 die damals 19-jährige Charlotte von Kalb, die Freundin der Dichter Schiller und Jean Paul, bei der Frau Geheimrat von Seckendorff zu Besuch. Die Freiherren von Seckendorff hatten früher hier ein Patrimonialgericht.
Im Jahr 1952 gaben die Freiherren von Seckendorff ihr Schloss und ihren gesamten Besitz in Unterleinleiter auf. Ab 1958 wurden Schloss und Park wieder von Privathand erworben. Daher kann das Schloss nicht besichtigt werden.
Sehr schön ist die Parklandschaft. Sie wurde nicht nach historischen Vorbildern gestaltet, sondern gärtnerisch und künstlerisch modern weiterentwickelt. Moderne Kunstwerke stehen jetzt im Einklang mit der Parkbepflanzung.
Veranstaltungstipp: Im Schlosspark finden in den Sommermonaten Klassik-Openair-Veranstaltungen statt.

In Unterleinleiter folgt man der Markierung „schwarzer Punkt auf gelbem Grund“. Wir wandern auf dem Veilbronner Höhenweg. Wir kommen auf ein weites Hochplateau mit wunderbaren Ausblicken auf die umliegenden, fast 500 m hohen Bergrücken der Fränkischen Schweiz. Von der Höhe führt die Straße hinunter zur Ortschaft Veilbronn.

Veilbronn (fränkisch: Fallbrunn) ist ein Ortsteil von Heiligenstadt. Nur 74 Einwohner wohnen in dem Dorf. Veilbronn war nie ein richtiges Bauerndorf. Die Einwohner des Dorfs haben früh auf den Tourismus umgestellt.
Der Ort liegt an der Leinleiter sehr romantisch zwischen Felsen. Der Name kommt von “vielen Brunnen” und wurde bereits im Jahre 1154 genannt. Von dem einstigen Wasserschlösschen, das erst Anfang dieses Jahrhunderts abgetragen wurde, ist nur noch ein Fragment erhalten geblieben.

Gut einkehren kann man bei Sponsel-Regus Superior. Aus der Chronik geht hervor, dass das Haus seit 1760 im Familienbesitz ist. Es wurde immer wieder umgebaut und erweitert. Seit 1978 ist der Besitz nun in die Hände von Werner Regus übergegangen und wird von ihm und seiner Frau nach der Maxime geführt: “Wer aufhört, besser sein zu wollen, der hat aufgehört gut zu sein”. Der Landgasthof wurde im Laufe der Zeit umgebaut und mehrmals erweitert. Es kamen ein Hallenbad, Gast- und Aufenthaltsräume, sowie eine neue Küche, Lager- und Kühlräume hinzu. Das Landhaus hat jetzt eine stattliche Größe von ca. 100 Betten.

In Veilbronn folgen wir der Markierung des Frankenwegs ins Leidingshofer Tal. Wir kommen vorbei an schönen Felsformationen, wofür diese Täler berühmt sind. Der Weg durch dieses wunderbare Tal ist mit den Symbolen des Frankenweges gekennzeichnet. Der Pfad steigt dann an und führt neben einem schräg, frei liegenden Felsbrocken hinaus auf das freie Feld. Oben verlassen wir den Frankenweg und folgen dem Symbol gelbes Dreieck. Der Weg führt nach Störnhof. Wir folgen unserer Markierung bis wir die Burgruine Streitberg erreichen. Wir durchqueren den Innenhof und haben dann herrliche Ausblicke nach allen Seiten. Linker Hand sehen wir die Burgruine Neideck, dahinter das Wiesenttal, rechts sieht man bei guter Sicht hinter Ebermannstadt sogar das Walberla.

Attraktiver Zwischenstopp
Die Ritter von Streitberg erbauten sich ihre Burg vor dem Jahr 1120. Man weiß nicht viel über dieses Rittergeschlecht, nur soviel, dass die Ritter untereinander ziemlich zerstritten waren und das Geschlecht 1690 erlosch. Schon vorher waren die Besitzrechte der Burg an den Bischof von Bamberg gegangen. Fest steht, dass die Burganlage 1508 von den Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach käuflich erworben wurde und fast 300 Jahre in deren Besitz blieb. 1529 trat Graf Alrecht Alcibiades mit seinen Untertanen zum lutherischen Bekenntnis über, wodurch eine protestantische Insel im katholischen Umland entstand. Im Jahre 1553 – nur einen Monat nach der Zerstörung der gegenüberliegenden Burg Neideck durch die “Marktgräflichen” – wurde die Streitburg ebenfalls in Schutt und Asche gelegt. Bis 1565 wurde sie wieder aufgebaut, im Dreißigjährigen Krieg erneut geplündert und ausgebrannt. Der vollständigen Wiederherstellung bis 1658 folgten Zeiten andauernder Geldnot, so dass die Burg langsam wieder verfiel und im 18. Jahrhundert als Getreidespeicher genutzt wurde. 1803 fiel sie an das neue Königreich Bayern und wurde 1812 an die Streitberger Bürger verkauft. Die nutzten die Burg jedoch als Steinbruch. So verkam sie bald zur heutigen Ruine. Wenigstens den schönen Blick konnte niemand zerstören.
Unter uns liegt Streitberg, ein schickes fränkisches Dorf mit vielen Fachwerkhäusern. Wir nehmen den Weg hinunter in das Dorf. Streitberg ist klein, hat einen Marktplatz um den sich ein paar Häuser gruppieren. Der Ort selbst ist berühmt wegen drei Sehenswürdigkeiten. Wir haben bereits die Ruine Streitberg besucht. Nun könnten wir noch die Binghöhle besuchen, deren Zugang sich direkt in Streitberg befindet.
Im Jahre 1905 wurde die “Binghöhle” von dem Nürnberger Kommerzienrat Ignaz Bing entdeckt und erschlossen. Sie erstreckt sich über eine Länge von 300 m durch das Erdinnere und kann gefahrlos durchwandert werden. Phantastische Tropfsteingebilde in unmittelbarster Nähe des Betrachters vermitteln den Eindruck einer Tropfstein-Galerie.
Die dritte Sehenswürdigkeit von Streitberg ist der Streitberger Bitter. Die Alte Kulturhausbrennerei Hans Hertlein hat dem Streitberger Bitter zu Weltruhm verholfen. Die Brennerei stellt Spirituosen von höchster Qualität her. Das Hauptprodukt ist der Streitberger Bitter, eine ausgewogene Kombination von 53 Kräutern, Beeren, Wurzeln und Rinden und weiteren 20 Ingredienzien, darunter Fruchtsäfte und Fruchtweine und natürlich einer Vielzahl von Geheimnissen. Dieser Bitter wurde das erste Mal 1898 hergestellt, zu einer Zeit als die Menschen noch eine innere Beziehung zum Kräutergarten der Natur hatten. Der Streitberger Bitter ist ein kräftig-würziger Kräuterlikör, der vor dem Essen als Aperitif getrunken wird oder ganz klassisch nach dem Essen als Digestif.
Einkehren kann man im Gasthof Schwarzer Adler. (Dorfplatz 7, Tel. 09196 / 929490)
Der Gasthof befindet sich in einem schönen Fachwerkhaus. Durch die Wirtsstube gelangt man in den gemütlichen Garten des Gasthofs. Im Schatten der Laubbäume kann man sich genüsslich zurücklehnen und den Gaumen mit fränkischen Spezialitäten verwöhnen. Besonders beliebt sind Schäufele und Krustenbraten. Dazu gibt es Kulmbacher.

Von Streitberg führt die Straße entlang der Wiesent nach Gasseldorf, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung.

Ein Wort zu Joseph Victor von Scheffel, dem großen Frankendichter. Er wurde 1826 geboren, adelt 1876 geadelt und er stark 1886. Er war zu seiner Zeit viel gelesener deutscher Schriftsteller und Dichter. Er gilt als Begründer des Begriffes „Biedermeier“.
Scheffel vereinigte in seinen Werken die beiden Grundströmungen des damaligen Zeitgeistes, bürgerliche Bildungsbeflissenheit und nationale Begeisterung. Seine historischen Epen und Erzählungen haben wahrscheinlich nicht unwesentlich zu dem seit der Bismarckzeit aufkommenden Selbstbild der Deutschen geführt. Es ergab sich eine altfränkisch biedere, ungekünstelt zuverlässige und ernsthaft strebsamen Nation.
Mit seinem Lied der Franken („Wohlauf, die Luft geht frisch und rein“) ist Scheffel in deren Heimatland zwischen Main und Donau allgegenwärtig; die Franken betrachten es als ihre ‘heimliche Nationalhymne’. (nach Wikipedia)
In seinen Epen hat er insbesondere sein geliebtes Frankenland beschrieben. Einige Verse beschreiben auch die Region, in der wir uns gerade aufhalten:

Am Streitberg ragt der Steinklotz schroff
Und weiß, wie meerverwaschen,
Das Pilgerstüblein auf dem Hof
Weiß nichts von leeren Flaschen.
Noch blüht dem Talvogt Christian
Karfunkelrot die Nase,
Und Weihrauchdampf, der Burgkaplan,
Turniert mit ihm beim Glase.

Vor Neideck drüben woll’n wir auch
Mit Schall die Fiedel streichen,
Daß die am Tor nach Hofburgsbrauch
Den Spielmannspfennig reichen.
Frau Wulfhild mit der Sammethand
Erscheint im Veilchenkränzlein;
Die Herren trabten weit ins Land,
Wohlauf ein Schülertänzlein!

Zum schwindelhohen Adlerstein
Versuch ich früh ein Klettern,
Schau rundum ins Gebirg hinein
Und laß die Laute schmettern.
Frühnebel spielt, von Wind gefacht
Um Felsen, grobgestaltig,
Hochland, wilde Hochlandpracht,
Täler grün und waldig!

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