„Die Wertschätzung der Menschen hat nachgelassen“

25. November 2008 | Von | Kategorie: Management

Mitten in der Finanzkrise haben Werte wie Vertrauen Konjunktur. Vor diesem Hintergrund liegt das Buch „Der kleine Fahrradladen“ von Werner Schwanfelder im Trend. Darin gibt der frühere Einkaufsleiter bei Siemens und Bestsellerautor Führungskräfte und Teams Tipps, wie sie gemeinsam die Zeiten des Umbruchs – beispielsweise den Weggang einer Führungskraft – meistern können. Im Interview mit ecolot.de erläutert der Autor seinen Ansatz.

Sie zeigen in Ihrer Fabel vom kleinen Fahrradladen, wie Führungskräfte und Teams die Inspiration finden, die sie in Zeiten des Umbruchs brauchen. Sie selbst waren jahrelang bei Siemens in der Führungsetage aktiv – was könnte Ihr Buch heute beim Münchner Skandalunternehmen bewirken bzw hätte es in den vergangenen Jahren bewirken können, in denen es viele Führungswechsel gab?
Management-Ratgeber können nicht die Strukturen eines Unternehmens beeinflussen, leider. Aber sie können die Menschen beeinflussen, die hinter den Strukturen stehen, glücklicherweise. Ich war der Meinung, dass wir bei Siemens lange Zeit eine gute Führungskultur hatten. Ich habe in diesem Buch Erfahrungen niedergeschrieben, die ich bei Siemens gewonnen habe. Die Führungskultur bei Siemens hat sich jedoch seit einigen Jahren verändert, nämlich zu dem Zeitpunkt, zu dem die Wertschätzung der Menschen nachgelassen hat. Mein Buch will erreichen, dass die Wertschätzung der agierenden Menschen wieder in den Mittelpunkt der Wertschöpfung gestellt wird.

Wie lautet die Quintessenz der Erfahrungen der Mitarbeiter aus dem kleinen Fahrradladen?
Die Mitarbeiter des Fahrradladens haben gemeinsam ihre Geschäfts-Richtlinien gefunden. Bei diesem Prozess sind sie zu gegenseitigem Verständnis und Vertrauen gekommen. Das wichtigste Wort in diesen beiden Sätzen ist „gemeinsam“.

Worin liegen die Vorteile von flachen Hierarchien? Sind diese in global agierenden Unternehmen überhaupt umzusetzen? Gemeinsamkeiten (und in Folge Verständnis, Vertrauen, Prozesse, Richtlinien…) kann man nur in überschaubaren Räumen schaffen. Danach muss sich die Organisation ausrichten. Meine Erfahrung ist, dass bei intellektuell anspruchsvollen Tätigkeiten eine Kontrollspanne von 30 Mitarbeitern gerade noch akzeptabel ist.

Sie haben sehr viele Bücher geschrieben. Was macht einen guten Wirtschafts-Ratgeber aus?
Eine sehr gute Frage. Meiner Meinung nach muss ein guter Wirtschaftsratgeber (aber nicht nur Wirtschaftsratgeber) dem Leser einen Aha-Effekt vermitteln. Entweder findet er sein bisheriges Verhalten bestätigt und kann sich mit gutem Gewissen loben oder er wird sofort (was wohl in den meisten Fällen zutreffen wird) etwas ändern (zum Beispiel Einstellungen). Die viel wichtigere Frage bezieht sich aber vielleicht auf den Autor. Woher weiß ein Autor, dass seine Leser einen Aha-Effekt erlebten. Viel zu wenig Leser geben dem Autor ein feedback, Manager schon gar nicht (weil sie vermutlich keine Zeit haben). Viele meiner Bücher sind mittlerweile in anderen europäischen Ländern erschienen, auch in Russland, Brasilien, China, Taiwan, Korea. Mich würde interessieren, ob ein chinesischer Leser einen Aha-Effekt hatte. Aber das werde ich wahrscheinlich nie erleben. Schade.
Nachlesen (Link)

Das Interview ist erschienen bei ecolot (Link).

Link zum Buch.

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