Biergenuss auf dem „Fünf-Seidla-Steig“: Weißenohe, Gräfenberg und Thuisbrunn

24. Juni 2010 | Von | Kategorie: Franken blog

Ein Wanderweg zu fünf Privatbrauereien

Lage: Gräfenberg liegt östlich von Erlangen, zu erreichen über die B2
Highlights der Stadtbegehung in Gräfenberg: Marktplatz
Highlights der Wanderung: natürlich die fünf Brauereien, Das Kloster in Weißenohe, die Burganlage in Thuisbrunn
Wanderung: Von Weißenohe nach Gräfenberg und nach Thuisbrunn. Wegstrecke: ca. 10 km, Gehzeit: ca. 3 Stunden
Besonderheit: Es geht ums fränkische Bier.

Wanderspaziergang
Was den Aufseßern mit ihrem Brauereiwanderweg recht ist, ist den Gemeinden rund um Gräfenberg billig: Dort gibt es den „Fünf-Seidla-Steig“.
Perfekt markiert führt der zehn Kilometer lange Weg zu den fünf Privatbrauereien in den Gemeinden Gräfenberg und Weißenohe. Und das alles eingebettet in einer herrlichen Landschaft, alte Kirschgärten, ein mäandernes Flüsschen, weidende Ziegen und Schafe und weite Ausblicke ins Fränkische schmeicheln des Wanderers Seele.

Wie kommt man nach Weißenohe? Vielleicht mit der Gräfenbergbahn. Vom Nordostbahnhof in Nürnberg erreicht man mit der Gräfenbergbahn Weißenohe nach knapp 50 Minuten Fahrzeit.
Die Geschichte Gräfenbergbahn reicht bis ins Jahr 1873 zurück. Damals hatte der Gräfenberger Magistrat die Staatregierung darum gebeten, die Stadt aus dem Oberland der Fränkischen Schweiz an das Bahnnetz anzuschließen. Im Jahre 1908 war die Strecke von Nürnberg bis Gräfenberg fertig. Die Bahnlinie wurde von Anfang an begeistert angenommen. Sie war für Pendler nach Nürnberg und umgekehrt Ausflügler aufs Land ein beliebtes Verkehrsmittel. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es Klagen über zu wenige Plätze in den Wagons.
Mit dem Siegeszug des Autos und dem Ausbau der B2 begann der Niedergang der Gräfenbergbahn. Ende der 70er Jahre wurden die ersten Züge vom Fahrplan gestrichen. Vor 15 Jahren sollte die Strecke stillgelegt werden. Dem Einsatz einer Bürgerinitiative und der anliegenden Kommunen ist es schließlich zu verdanken dass die Bahn erhalten und das Angebot jetzt sogar wesentlich verbessert wurde.

Der attraktive Zwischenstopp
Wir beginnen mit der Wanderung in Weißenohe. Das Ortsbild wird von der Anlage des ehemaligen Benediktinerklosters beherrscht. Sie besteht im Wesentlichen aus der barocken Kirche St. Bonifatius, die von Wolfgang Dientzenhofer entworfen und ab 1690 ausgeführt wurde und dem sich südlich anschließenden Trakt, dem ehemaligen Abteiflügel. Auch dieser Westflügel geht wohl auf Johann Dientzenhofer zurück (1725-1727). Zwei der vier Klosterflügel wurden im Zuge der Säkularisation abgerissen; die Steine der alten Mauern teilweise in Häusern des Ortes verbaut.
Das Kloster kann auf eine wechselhafte Geschichte zurückblicken. Weißenohe und sein Kloster gehörten fast während seines ganzen 750-jährigen Bestehens zur Oberen Pfalz. Daher ragte es geradezu wie ein Fremdkörper in das Gebiet der Freien Reichsstadt Nürnberg. Das schuf natürlich Konflikte, die kriegerisch ausgetragen wurden. Nürnberg ließ nichts unversucht, um sich den Ort einzuverleiben. Im Jahre 1692 wurde mit dem Bau der heutigen Klosterkirche begonnen. Das Kloster Weißenohe wurde schließlich 1803 durch das Kurfürstentum Bayern säkularisiert. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Die Klosterbrauerei in Weißenohe hat seinen Ursprung im Benediktinerkloster. Es ist anzunehmen, dass die Klosterbrüder mit dem Bierbrauen relativ früh begonnen haben, da der Gerstensaft schon damals sehr beliebt war und zur klösterlichen Ernährung zählte. Seit der Säkularisation 1803 wurde die Klosterbrauerei Weißenohe privat geführt, seit 1827 gehört die Brauerei der Familie Winkler.
Im Gegensatz zum Braubetrieb, welcher bis zum heutigen Tag ununterbrochen in alter Tradition fortgeführt wird, wurde der Betrieb der dazu- gehörigen Gaststätte im Jahre 1943 eingestellt.
1995 wurde wieder mit der Bewirtschaftung des Biergartens in den Sommermonaten begonnen und das Wirtshaus eröffnete im Februar 2000 seine renovierten Gasträume. Nun lädt es mit herzhaften Speisen und süffigen Getränken in stilvollem Ambiente zum Verweilen ein.
Betritt man das Klostergelände biegt man zunächst nach rechts ab, wo der schattige Biergarten mit der Selbstbedienungstheke fürs Bier liegt. Es sind zwei Brüder, die hier die Menschen glücklich machen: Franz Winkler ist der Wirt, Urban Winkler braut das Dutzend Biere, das vom klassischen Alfränkischen bis zum Bio-Export reicht. Das Essen wird beim Bierfassen bestellt. Zu empfehlen ist das üppige Spanferkel mit Kloß und Salat und vielleicht als Nachspeise Apfelküchle mit Eis und Sahne.

Der Fünf-Seidla-Steig beginnt eigentlich am Bahnhof Weißenohe. Dann führt der Weg zum Kloster und zur Klosterbrauerei. Von dort folgen wir der Straße aufwärts. Wir orientieren uns an der Markierung Fünf-Seidla-Steig. Wir überqueren eine Kreuzung und kommen geradeaus in die Sollenberger Straße, dann links über die Gräfenberger Straße in die Mönchsbergstraße. Wir folgen der Straße bis zum Ende und biegen links in einen Feldweg ein. Durch einen Hohlweg wandern wir hinauf auf die Mönchsleite. Es geht durch einen alten Kirschgarten, dann am Waldrand entlang. Auf einem Pfad laufen wir durch den Wald bergan. Später am Waldrand entlang bis wir zum Ortsanfang von Gräfenberg kommen. In der Sollenberger Straße biegen wir links ab, überqueren die Kreuzung mit der B2 und laufen dann Richtung Zentrum.

Durch eines der drei Stadttore tritt man ein, und schon präsentiert sich Gräfenberg in seiner ganzen mittelalterlichen Anmut: liebenswerte schmucke Fachwerkgebäude, das historische Rathaus mit seinem Nürnberger Erker; einladende Gaststätten.

Gang in die Geschichte
Der geschichtliche Ursprung des Ortes ist nicht restlos geklärt. Die erste urkundliche Erwähnung findet man im Jahr 1172. Zu diesem Zeitpunkt wird der Ort „Grevenberge“ genannt. In weiteren Urkunden findet man auch andere Schreibweisen wie „Grefenberc“ (1195), Grefenberg (1333) und „Greffenberg“ (1429). Daraus hat sich der heutige Namen abgeleitet. 1333 erhielt Gräfenberg, mit seinen damals rund 200 Einwohnern durch Kaiser Ludwig den Bayern das Marktrecht.
Der bedeutendste Sohn der Stadt wurde um 1170 geboren. Er nannte sich „Ritter Wirnt von Grefenberc“ und gehörte zu den „Herren von Gräfenberg“ und war gleichzeitig Minnesänger. Außerdem verfasste er das Heldenepos „Wigalois, der Ritter mit dem Rade“. In 11.700 mittelhochdeutschen Versen wird die abenteuerliche Suche eines jungen Ritters nach seinem Vater erzählt, den er schließlich am Hofe von König Artus findet.
Zur Stadt erhoben wurde Gräfenberg 1371 durch Kaiser Karl IV. Der entsprechende Lehensbrief ist gerichtet an Gräfenbergs damaligen Herrn, den Bürger Berthold Haller zu Nürnberg. Mit dem Stadtrecht verbunden war die kaiserliche Genehmigung den Ort zu befestigen und einen Burggraben, Mauern, Türme und vier Tore zu errichten. Bis 1520 hatten die Gräfenberger diese Arbeiten abgeschlossen. Drei Stadttore, das Gesteiger Tor, das Hiltpoltsteiner Tor und das Egloffsteiner Tor, sowie große Teile der südlichen und westlichen Stadtmauer sind bis zum heutigen Tag erhalten.
Vom 12. bis ins 14. Jahrhundert gehörte die Stadt den „Herren von Gräfenberg“. Nicht ganz klar ist, warum diese vornehmen Bürger in den Bürgerstand der nahen Reichsstadt Nürnberg übertraten. Dabei änderten sie anscheinend auch ihren Namen, verzichteten sogar auf das von und nannten sich mit bürgerlichem Namen „Graf“. Daraus leitet sich wohl der in Nürnberg sehr übliche Familienname Graf ab.
Außerdem ergab sich ein enges Zusammenwirken zwischen Nürnberg und Gräfenberg. Beispiel ist besonders die Familie der Haller, eine angesehene Nürnberger Patrizierfamilie, die sich immer wieder und auch sehr erfolgreich für Gräfenberg einsetzte. Im 16. Jahrhundert kaufte der Nürnberger Rat den Eigentümern den Besitz Gräfenberg nach und nach ab. Die Nürnberger richteten in Gräfenberg als Verwaltungsstelle ein sogenanntes Pflegamt ein. Namhafte Nürnberger Patrizierfamilien, wie von Haller, von Geuder, von Löffelholz, von Imhof oder von Kreßenstein, stellten den jeweiligen Pfleger. Diese Ära endete schließlich am 15. September 1806 mit der Eingliederung der freien Reichsstadt Nürnberg und der Stadt Gräfenberg in das Königreich Bayern durch Napoleon.
Kriege, Besetzungen, Plünderungen, Stadtbrände, Seuchen und Naturkatastrophen blieben der Stadt und ihren Bürgern im Verlauf der Jahrhunderte nicht erspart. Die größte Katastrophe ereignete sich am 4. Juni 1567 als die Stadt fast komplett abbrannte. Auslöser war ein Stallknecht, der einen brennenden Kienspan an einer hölzernen Säule stecken ließ. Dem Feuer fielen insgesamt 58 Häuser zum Opfer. Bereits ein paar Tage später leitete der Rat der Stadt Nürnberg entsprechende Hilfsmaßnahmen ein.
Auch im Dreißigjährigen Krieg wurde Gräfenberg stark gebeutelt. Das schlimmste Jahr war 1632. Es gab Plünderungen und starke Zerstörungen.
Der deutsch-französische Krieg von 1870/71, der erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 und der zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945 haben in Gräfenberg zwar relativ wenig materielle Schäden angerichtet, bei vielen Familien aber unsägliches Leid hinterlassen, weil viele Soldaten und damit auch viele Opfer aus Gräfenberg stammten.
In den letzten Jahren wurde Gräfenberg immer wieder Schauplatz von NPD-Aufmärschen, alljährlich am Volkstrauertag. Dagegen richtet sich breiter und engagierter Bürger-Protest. Die Aktion „Gräfenberg ist bunt“ ist eine parteiübergreifende Bewegung gegen Nationalsozialismus und Rassismus. Mit kreativen Aktionen setzen sich die Gräfenberger Bürger für Frieden, Vielfalt und Völkerverständigung ein. Das Bürgerforum „Gräfenberg ist bunt“ hat überregionale Bedeutung, ist Träger des Würzburger Friedenspreises und genießt bundesweit Anerkennung.

Stadtbegehung
Gräfenberg ist eine nette, kleine Stadt. Sie ist eher ruhig und beschaulich. In ihren Gassen und auf dem Marktplatz herrscht keine Hektik.
Einen Stadtrundgang beginnt man beim Rathaus an der Nordseite des Marktplatzes. 1697 wurde das wunderschöne Bürgerhaus mit barocker Bemalung und einem Erker erbaut. Seit 1871 wird es als Rathaus genutzt.
Nach Norden begrenzt das Egloffsteiner Tor den Marktplatz. Es ist einer der drei erhaltenen Tore der mittelalterlichen Stadtbefestigung.
Auf dem Marktplatz fällt der große Brunnen auf. Er stellte bis zum Jahr 1898 als die Wasserleitung gebaut wurde die Versorgung des Ortes mit Wasser sicher. Der Marktplatz ist ein wunderbares Ensemble einer fränkischen Stadt. Seit der Erlangung der Marktrechte 1333 war dies der Mittelpunkt des Ortes. Hier wurde Handel getrieben. Hier holten die Menschen ihr Wasser. Hier konnten sie sich auch vergnügen. Das ist noch heute so. Bei Kirchweihen oder anderen Festen wird immer auf dem Marktplatz gefeiert. Der Ritter auf der Brunnensäule blickt auf ein bemaltes Haus an der Südseite des Platzes. Das Bild zeigt eine Kampfszene aus dem Epos „Wigalois, der Ritter mit dem Rade“, das der Minnesänger aus Gräfenberg, Wirnt von Gravenberc um das Jahr 1200 geschrieben hatte.
Und noch ein anderes Haus hat eine bemalte Fassade: das ehemalige Hotel „Alte Post“. In diesem Haus spielte sich in der Nacht vom 30. zum 31. Juli 1866 auch eine dramatische Entwicklung ab. Im deutschen Bruderkrieg einigten sich in dieser Nacht, in diesem Haus die Preußen (für den Norddeutschen Bund) und die Österreicher zusammen mit den Bayern auf einen Waffenstillstand für die fränkische Region.
Wir verlassen den Marktplatz in westlicher Richtung und stoßen genau auf ein schönes Fachwerkhaus mit der Jahreszahl 1669 über der Haustür. Zwischen diesem Haus und dem Zollhäuschen auf der anderen Straßenseite erstreckte sich einstmals das Badtor, eines der Stadttore. Es wurde 1831 abgebrochen, um den Verkehr besser in die Stadt zu lassen.
Das alte Gasthaus „Grüner Baum“ befand sich einstmals bereits außerhalb der schützenden Stadtmauer. Die nach rechts abzweigende Straße „Am Bach“ führt zum Turmuhrenmuseum.
Das Turmuhrenmuseum ist in “Gerbers Stodl” untergebracht. Ausgestellt werden Exponate aus der ehemaligen Turmuhrenfabrik Rammensee Gräfenberg. Diese war im Zeitraum von 1832 – 1957 in Gräfenberg ansässig. Neben diesen Rammensee – Uhren kann man aber auch andere Hersteller dieser alten Mechanik kennenlernen. Über 50 Großuhren kann man sehen. Bei einem Museumsbesuch erlebt man eine Zeitreise von 500 Jahren. Die älteste Uhr stammt vor 1500, die jüngste ist von 1970. (Öffnungszeiten: März bis Oktober Samstag und Sonntag von 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr oder nach Vereinbarung unter Telefon 09192-8266)

Wir folgen der nach links abbiegenden Bahnhofsstraße. Da stößt man linker Hand auf das ehemalige Kommunalbrauhaus. Seit 1628 bis vor ungefähr 50 Jahren wurde hier das Gräfenberger Bier gebraut. Gegenüber befindet sich das Handwerkerhaus. Hier befindet sich eine traditionelle, mechanische Werkstatt, die besichtigt werden kann.
Nach dem Kommunbrauhaus folgt das Malzdörrhaus, wo die Rohstoffe für den Brauvorgang gelagert wurden. Das Haus stammt aus dem Jahr 1607 und wurde auf den Resten einer ehemaligen Burganlage erbaut.
Wir gehen zurück auf den Marktplatz. Bei der „Alten Post“ wenden wir uns nach Süden, zur Kirche hin. Da fällt dem Betrachter rechter Hand das stattliche, 1732 errichtete Bürgerhaus auf. Es war lange Jahre das Schulhaus in Gräfenberg. Geradeaus sieht man das Gesteigertor, eines der erhaltenen Stadttore.
Wir wenden uns nun der Kirche zu. Da sieht man neben der Apotheke das große Gebäude der Verwaltungsgemeinschaft Gräfenberg. Dies ist das ehemalige Schloss der Nürnberger Pfleger.
Auf der anderen Seite ist das 1821 erbaute Sandsteingebäude, in dem das Gemeindehaus untergebracht ist.
Dann stehen wir vor dem Portal der Kirche. Auf diesem Platz wird alljährlich der Weihnachtsmarkt abgehalten. Wir gehen zurück auf die Straße und sehen das Hiltpoltsteiner Tor, das diesen Teil der Altstadt abschloss.

Ein Ausflug in die Biergeschichte von Gräfenberg
Deutlich wie selten dokumentiert die Geschichte der Brauerei Friedmann den tiefgreifenden Wandel, der sich im vergangenen Jahrhundert in der Arbeitswelt vollzogen hat. Als Christoph Friedmann 1875 das ” Heldsche Brauhaus” übernimmt, ist das Bierbrauen eine Sache für gestandene Mannsbilder mit breiten Schultern und Scheiteln wie von einem Handkantenschlag gezogen. Noch gibt es kaum Maschinen. Hopfen, Malz und Wasser müssen mit schierer Muskelkraft ins richtige Verhältnis gebracht werden. Die dunkle Würze, die damals als einzige Sorte gebraut wird, schleppt man in Butten mühsam zum Vergären und Lagern in die Keller am Jägersberg. Vor dem Bier fließt der Schweiß in Strömen. Und die Gerste für das Friedmannsche Bier wird in der Landwirtschaft der Familie selbst angebaut. Damals folgt die Produktion den Jahreszeiten: Im Winter wird zu Bier vergärt, was im Herbst auf den Feldern geerntet wurde. 1909 beginnt die 50-jährige Ära der nächsten Generation.Georg Friedmann ist wie sein Vater bald eine angesehene Honoration in seiner Heimatregion und zieht sogar in den bayerischen Landtag ein. Er erbaut am Jägersberg, wo sich bereits die Keller befinden, eine neue Brauanlage. Geradezu revolutionäre Apparate, wie zum Beispiel eine Kühlmaschine, halten Einzug in das Brauhandwerk. Ab jetzt kann in Gräfenberg ganzjährig produziert werden. Der Aufschwung des Unternehmens ist unverkennbar. Jede Generation verpflichtet sich dem Fortschritt. Es wird auf Alu-Tanks umgestellt und ein neues Sudhaus gebaut.
Spätestens jetzt wird Friedmann ein Markenname, der bei immer mehr Biertrinkern im Landkreis Forchheim und darüber hinaus einen guten Klang hat. In den 60-er Jahren rinnen pro Jahr etwa 600.000 Maß Friedmann-Bier durch durstige Kehlen. Dann übernahm eine Frau das Regiment. Seit 1982 hat eine Frau das Sagen. Sigi Friedmann war die jüngste Braumeisterin Deutschlands. Sie modernisiert den Betrieb, unter anderem durch Einbau einer vollautomatischen Abfüll- und einer umweltfreundlichen Reinigungsanlage.
Unter ihrer Regie wird das Sortiment aus Vollbier, Pils und diversen Festbieren um den “Ritter Wirnt Trunk” einer nach einer Figur aus der Gräfenberger Geschichte benannten Bierspezialität und zuletzt “Sigis Lager” erweitert

Wenn wir auf unserer Wanderung nach Gräfenberg kommen, dann weist schon vor dem Tor ein Wegweiser nach rechts die Treppen hinauf zum Biergarten “Zum Bergschlößla” (Freitags von 17:00 bis 22:00 Uhr und Samstags, Sonn- und Feiertags von 15:00 – 22:00 Uhr geöffnet). Bei schönem Wetter ist das unbedingt ein Muss.
Ansonsten gleich weiter, in der Bayreuther Straße 14 noch vor dem Tor linker Hand gelegen befindet sich Friedmann’s Braustüberl. Hier kann man es sich in einem historischen Brauereigasthof gut gehen lassen. Es gibt hauptsächlich fränkische Küche und natürlich die Bierspezialitäten der eigenen Brauerei.
Brauerei Friedmann, Jägersberg 16, 91322 Gräfenberg, Tel: 0 91 92 – 3 18, http://www.brauerei-friedmann.de)

Und noch einen Brauereigasthof gibt es in Gräfenberg, den Lindenbräu Brauerei-Gasthof Brehmer-Stockum. Wir überqueren den Marktplatz und gehen dann zur Straße „Am Bach“. Hier finden wir diesen Brauereigasthof.
Das heutige Brauereianwesen wurde von Georg und Katharina Brehmer 1900 als Gastwirtschaft mit Landwirtschaft gekauft. Der Sohn Friedrich Brehmer begann 1928 mit dem Bau einer eigenen Braustätte. Der Neubau des Brauhauses wurde 1932 fertig gestellt. Bis dahin braute man das Bier im Kommunbrauhaus in der Bahnhofstraße. Gelagert wurde es anschließend in den eigenen Kellern. 1938 folgte dann der Neubau einer eigenen Tennenmälzerei, die bis zum heutigen Tage noch in Betrieb ist. Nachdem sich der Brauereibetrieb sehr gut entwickelte, entschloss man sich 1956 die landwirtschaftlichen Flächen weitgehend zu verpachten und die Rinderhaltung einzustellen, um sich hauptsächlich auf den Braubetrieb und die Gastwirtschaft zu konzentrieren
In dem historischen Gasthaus erhält man gute fränkische Küche und die Bierspezialitäten der eigenen Brauerei.
(Irene Brehmer-Stockum, Am Bach 3, 91322 Gräfenberg, Telefon: +49 9192 348, Internet: www.lindenbraeu.de)

Die Wanderung führt uns vom Marktplatz gesehen nach rechts. In einer Linkskurve geht es dann bergan. Der Weg ist gut ausgeschildert. Wir kommen hoch zu einem Rastplatz, von dem aus wir einen guten Blick über Gräfenberg haben. Wir wandern nun auf einem schmalen Weg an der Bergkante entlang. Unten sehen wir das Gräfenberger Freibad und durchqueren ein längeres Waldstück. Wir folgen unserem Zeichen durch Wald und Flur und kommen schließlich zum Buchwaldparkplatz mit dem Hüllweiher. Dann folgen wir dem Weg durch den Wald bis Hohenschwärz. Wir gehen hinunter in den Ort und erreichen bald den Brauereigasthof Hofmann.

Attraktiver Zwischenstopp
Das süffige Bier, Dunkles vom Fass, wird sinnigerweise Hofmanns Tropfen genannt, aber eher in Halbliterform als tropfenweise genossen. Der Sudkessel wird noch mit Holz und Kohle befeuert. Hergestellt wird das Bier übrigens von Braumeisterin Elfriede Hofmann – in Gräfenberg. Ansonsten gibt es Hausmacher Brotzeiten, eher eine kleine Karte mit warmen Gerichten.
(Brauerei Gasthof Hofmann-Nendwig, Hohenschwärz 16, 91322 Gräfenberg, Tel.: 09192-251)

Wir gehen wieder zurück auf unseren Wanderweg. Es geht rechts hinab durch eine wunderbare Flur- und Heckenlandschaft bis nach Thuisbrunn. Und da wartet bereits die nächste Brauerei auf uns.

Attraktiver Zwischenstopp
Es ist die Thuisbrunner Elch-Bräu mit dem Gasthof Seitz. Es ist ein schönes fränkisches Wirtshaus mit überschaubarer Speisekarte, bei der jeder Fan der fränkischen Küche was findet. Der Gastraum ist gemütlich. Die Fleischküchle und die Bratwürscht sind hervorragend. Außerdem gibt es die bewährten fränkischen Gerichte Wild, Schweinsbraten, Schäufele, und natürlich Forelle und Karpfen. Und auch auf die Beilagen kann man sich verlassen, eben ein Kartoffelsalat nach Mutter‘s Art. „Warm” gibt´s bis 16 Uhr, danach die “Kellerkarte”
Und dazu gibt es ein deftiges fränkisches Landbier. Das selbst gebraute Dunkle ist hervorragend. Die eigene Brauerei gibt es seit 2007. Ansonsten ist das Bier aus Weißenohe, also über jeden Zweifel erhaben. Wer nun kein Bier mag, kann sich auch einen Frankenwein bestellen. Nett am Rande: Es gibt jetzt auch italienische Kaffee-Spezialitäten aus der Espressomaschine und sehr leckeren Kuchen
Der neue Biergarten ist noch ein weiteres Plus. Hier rasten die Wanderer gerne.

Thuisbrunn scheint bereits im 9. Jahrhundert besiedelt gewesen zu sein. 1007 wird der Ort erstmalig in einer Schenkungsurkunde erwähnt. Bezüglich der Herkunft des Namens vermutet, dass ein Stammesführer mit dem Namen «Turzo» durch die Entdeckung eines Brunnens die Besiedelung Thuisbrunns befohlen haben soll. Heute neigt man dazu, den Namen Thuisbrunn als Ort am «tosenden, rauschenden Brunnen» zu erklären.
Es gab zu diesen Zeiten bereits eine erste Burganlage. Aus dem Jahr 1388 ist überliefert, dass die Burg Dewsbrunnen von den Nürnbergern während des Städtekrieges teilweise zerstört wurde. 1403 geht der Ort zusammen mit anderen Orten der Nachbarschaft an die Stadt Nürnberg. 1449 hat der Ort und die Burg darunter zu leiden, denn Markgraf Albrecht Achilles brennt Ort und Schloss im Kampf gegen die Nürnberger nieder. 1460 wird die der heiligen Katharina geweihte Schlosskapelle zur Pfarrkirche erhoben und von einem Priester betreut. Im Laufe der Reformation wird Thuisbrunn 1528 protestantisch. 1553 wird Ort und Burg im zweiten Markgräflichen Krieg wieder zerstört. Im 17. Jahrhundert gab es in mehreren Jahren furchtbare Dürren, in denen die Bauern kaum etwas ernten konnten und auch unter dem 30jährigen Krieg hatte der Ort gehörig zu leiden. 1631 und 1632 wurden der Ort und die Burg wieder einmal niedergebrannt. Die Thuisbrunner mussten sich mit ihrer Landwirtschaft durchschlagen. Das wurde aber immer schwieriger. 1806 kam Thuisbrunn, wie alle anderen Orte auch, zum Königreich Bayern. Die Bauern merkten davon wenig. Gerade Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Lebensumstände so schwierig, dass viele Menschen nach Amerika auswanderten. Erst Ende des 19. Jahrhunderts ging es besser. Man baute ein neues Schulhaus und die Kirchhofmauer wird renoviert. 1910 wird der Ort erstmalig an eine Wasserleitung angeschlossen und so allmählich beginnt auch in Thuisbrunn die Moderne Einzug zu halten. Die Flurbereinigung wird durchgeführt, und durch die Gemeindereform 1978 wird der Ort nach Gräfenberg eingemeindet.
In Thuisbrunn ist immer noch die Tradition zu Hause. So wird ausgiebig Kärwa gefeiert. Das Erntedankfest ist ein großes Ereignis und natürlich auch Ostern. Dann wird der Osterbrunnen geschmückt.

Sehenswert in dem Ort sind die Kirche und die Burgruine. Besonders letztere kann man besteigen und hat von dort einen schönen Blick auf den Ort und die Umgebung.

Wie kommt man von Thuisbrunn zurück zu dem Ausgangspunkt? Man kann zum einen ein Sammeltaxi rufen (09191/86161) oder es gibt einen Sonderverkehr von Schmetterling Reisen (Tel.: 09197/6282528). Für 5 € wird man zurück an den Ausgangspunkt der Wanderung gebracht. Bedingung: eine Stunde vor Abholung anrufen.

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Ein Kommentar auf "Biergenuss auf dem „Fünf-Seidla-Steig“: Weißenohe, Gräfenberg und Thuisbrunn"

  1. Dieter sagt:

    Hallo Werner!

    bin gerade dabei, unsere Bierwanderung mit den Brasilianern vorzubereiten. Dabei bin ich auf Deinen Beitrag gestoßen. Werden es höchstwahrscheinlich im Dezember ausprobieren.

    Viele Grüße

    Dieter

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