Bericht in den Fürther Nachrichten: Laotse, fränkisch interpretiert (29.5.2010)

29. Mai 2010 | Von | Kategorie: Management
Laotse, fränkisch interpretiert
Ratgeber für Manager brachten Werner Schwanfelder ins chinesische Fernsehen
Foto: Hans-Joachim Winckler
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Laotse lässt sich nicht nur im Land des Lächelns lesen. Werner Schwanfelder hat die Weisheiten der chinesischen Philosophen als Ratgeber für Manager in zig Sprachen übersetzt, unter anderem ins Chinesische. Das Buch »Laotse für Manager – Meisterschaft durch Gelassenheit«, bescherte dem Obermichelbacher Buchautor und Ex-Siemens-Manager jetzt einen Auftritt im staatlichen Fernsehen Chinas.

OBERMICHELBACH – Zu Hause, im kleinen Obermichelbach, ist Werner Schwanfelder eher als Kulturaktivist, Umweltschützer, Kirchentagspilger oder als der Typ bekannt, der seinen Garten mit den schrägen Kunstinstallationen ziert. Das interessierte Lesepublikum dagegen könnte den 59-Jährigen als Verfasser von Reiseführern oder von Ratgebern für Geldanlagen kennen.

Sein Handbuch »Aktien für Einsteiger« hat es sogar auf die Bestseller-Listen geschafft. 80 000 Mal wurde es verkauft, mit der Finanzkrise gingen die Verkaufszahlen aber in den Keller. »Und jetzt legt keiner mehr Geld an, also braucht auch niemand mehr Empfehlungen«, so Schwanfelder.

Nicht ganz so gut verkaufen sich auch seine Interpretationen der Lebensweisheiten von Chinas alten Philosophen für Manager. Was aber nicht anders zu erwarten gewesen sei, wie Schwanfelder erklärt. »Manager lesen eh nicht so viel und wissen sowieso alles besser.« 5000-fach wurde sein »Laotse für Manager« verkauft, zumindest in Deutschland.

Auf deutlich mehr Interesse ist er dagegen offenbar in China gestoßen. Wie oft das Buch dort über die Ladentheke ging, weiß Schwanfelder zwar nicht – das Recht für die Übersetzung hat der Campus-Verlag für eine einmalige Zahlung an einen chinesischen Geschäftspartner abgetreten – doch zumindest wurde das Buch dort so populär, dass es die Fernsehmacher vom staatlichen Sender CCTV auf die Spur des Obermichelbachers lockte. In Düsseldorf zeichneten sie das Interview mit Schwanfelder auf.

Wie gerade Schwanfelder, der zwei Jahrzehnte der oberen Führungsebene eines Unternehmens angehörte, an dem seit längerem zu beobachten ist, wie munter die Aktionäre bedient und gleichzeitig Arbeitsplätze abgebaut werden, dazu kam, den Spitzenleuten in der Unternehmenswelt zu erklären, wie sie es besser machen könnten? Der Ex-Siemensianer erläutert, dass er lange Zeit der Meinung gewesen sei, »dass wir ein sehr gutes Management hatten«. Nur als das Shareholder Value und damit das Geschäftsziel, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel für die Aktionäre herauszuholen, auch bei seinem Arbeitgeber vorrangig wurde, zog sich Schwanfelder vor drei Jahren aus diesem Berufsleben zurück. Überrascht sei er gewesen, wie viele scheiterten, als die wirtschaftliche Gesamtwetterlage zusehends schwieriger wurde. Und so setzte er sich zu Hause an den Schreibtisch, um zu überlegen, wie er seine Ex-Kollegen dazu bewegen könnte, nachhaltiger zu wirtschaften.

Er bediente sich der Lebensweisheiten der chinesischen Philosophen. Zwei Einkaufsabteilungen hatte er für Siemens in Fernost aufgebaut und dabei zwei junge Männer kennen und schätzen gelernt, die ihm Brücken bauten zur Mentalität der Chinesen und zu deren Meistern. Über Sun Tzu und Konfuzius landete er bei Laotse. Einfachheit, Nachsicht und Mitgefühl lehrt der »Gute Alte«. »Für mich«, sagt Schwanfelder, »ist Laotse derjenige, der für einen Paradigmenwechsel stehen könnte, auch in der Unternehmenskultur.«

Laotses Kernaussage transkribiert Schwanfelder mit dem »Wu Wei«, dem Nicht-Handeln. »Auf den ersten Blick mag das für einen Manager ein Paradoxon sein«, räumt Schwanfelder ein. Nur meine das Wu Wei nicht die Untätigkeit, sondern, die Dinge geschehen zu lassen, Geduld zu zeigen, genau hinzusehen, Konsequenzen gut abzuwägen und den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. »Halte dich an das Einfache/Sei fair und großzügig/Versuche nicht Kontrolle auszuüben/Tu, was dir Freude bereitet/Steh voll und ganz zur Verfügung«, sagt Laotse. Oder mit Schwanfelders Worten: »Sei nicht gierig, sei bescheiden, sei nicht schnell, lass die Zeit wirken, sei fair zu Deinen Mitarbeitern, den Wertschätzung schafft Wertschöpfung.« Eigentlich Selbstverständlichkeiten, sollte man meinen, oder? »Umso faszinierender« findet es Schwanfelder, »dass man trotzdem so viel darüber sagen muss.«

Nicht, dass sich Schwanfelder berufen fühlte, den Chinesen ihren Laotse erklären zu können, doch er habe sich sehr gefreut, dass sie ihn nach seiner Interpretation des alten Meisters fragten. Dass sie gerade jetzt auf ihn zukamen, erklärt sich Schwanfelder mit der rasanten Entwicklung Chinas. Zeitverzögert, nur wahnsinnig schnell und deshalb umso belastender entwickle sich das moderne Leben in dem Land. So suchten die Chinesen nach neuen Werten, Richtlinien und Lebensstrategien, um die Modernität, die sie überrollt, in den Griff zu bekommen. Und interessierten sich in der Rückbesinnung auf Laotse eben auch für deren Lesart im Ausland. Im Oktober soll das Interview gesendet werden. Schwanfelder bekommt den Beitrag in einer Übersetzung und wird ihn auf seine Internetseite stellen (www.schwanfelder.info).

Sabine Dietz

28.5.2010 0:00 MEZ
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