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Aus dem Buch: Stille Wege rund um Nürnberg

Feb 3rd, 2010 | By Werner Schwanfelder | Category: Franken blog

Cadolzburg, ein Schatzkästchen hat sich herausgeputzt

Wanderung von Cadolzburg nach Erlangen – auf den Spuren der Markgrafen

Lage: Cadolzburg befindet sich westlich von Fürth, zu erreichen über die B8

Highlight der Stadtbegehung: die imposante Burganlage

Highlight Wanderung: Wehrkirchenanlagen von Seukendorf, Veitsbronn, Obermichelbach, Kriegenbrunn

Wanderung Weglänge ca. 23 km, Gehzeit: 6 Stunden

Es hat lange gedauert bis die Zerstörungen, die in den letzten Kriegstagen erfolgten beseitigt wurden. Aber seit ein paar Jahren erstrahlt die Cadolzburg wieder in altem Glanz. Das ist ein überzeugender Grund, den Ort zu besuchen.

Gang in die Geschichte

Er beginnt mit dem Namen. Die älteste bekannt gewordene Schreibweise war „Kadoldesburc“, leitet sich also von einem gewissen „Kadold“ ab. Wer dies war, weiß man nicht richtig. Nehmen wir einmal an, wie so mancher Historiker, dass es jener Kadold war, der um 793 das Kloster Herrieden an der Altmühl gründete und der Graf unter Kaiser Karl dem Großen war. Fest steht, dass das Gebiet um Cadolzburg zu dieser Zeit bereits besiedelt war. Ein Gräberfeld weist darauf hin. Die erste urkundliche Bezeugung dieses Ortes erfolgte wie meist in den Jahren der systematischen Geschichtsschreibung und ging zurück auf einen Gebietstausch zurück. So geschah dies auch hier. Ein gewisser Abt Nikolaus von Heilsbronn tauschte Zehntrechte ein. Der Tauschpartner, der Bischof von Würzburg konnte diesen Tausch jedoch nicht mehr beurkunden, denn er starb vorher und auch sein Nachfolger ließ sich Zeit. So wurde die entsprechende Urkunde erst 1157 ausgestellt. So richtig kann man die Besitzrechte in dieser Zeit nicht rekonstruieren. Vielleicht nur so viel: 1221 nannte sich ein Geistlicher nach Cadolzburg: Heinricus de Kadolspurch und drückte damit gewisse Besitzrechte aus. Und 1242 bezeugte ein Heinricus de Karleburc eine Güterschenkung an das Kloster Heilsbronn. Karleburg/Karlsburg ist eine vielfach belegte mundartliche Form für Cadolzburg.

Wahrscheinlichgehörte Cadolzburg damals zum Besitz des Würzburger Bischofs.

Die Historiker gehen davon aus, dass der Bischof von Würzburg 1245/46 die Cadolzburg seinem Gefolgsmann Burggraf Konrad übereignete. Damit ging das Gebiet an die Hohenzollern. Dieser und sein Sohn Friedrich III. bauten Cadolzburg zu ihrem neuen Zentrum aus. Erhalten geblieben sind aus dieser Zeit Ringmauer, Torturm, der Pallas und der obere Zwinger.

Interessant ist, dass der heutige „Bauhof“ unterhalb der Cadolzburg, jenseits der Weiherkette, das Landgut des Burgherren war. Der Hof hatte eine Sonderstellung, denn alle burggräflichen Untertanen der Umgebung mussten je einen Tag bei der Ernte auf diesem Hof arbeiten.

Im Tal unterhalb der Burg hatte sich bei der Pfarrkirche eine Ansiedlung der Dienstleute entwickelt. Kurz nach 1300 wurde auf der Höhe vor der Burg planmäßig von Burggraf Friedrich IV eine Marktsiedlung angelegt. Die Ausstattung der neuen Siedlung mit Grund war jedoch sehr unzureichend. Sie war auf allen Seiten eingeengt durch herrschaftliche Bauten und Land, so dass die Bewohner keine Entwicklungsmöglichkeiten sahen und viele nach Nürnberg zogen.

Mehr als zweihundert Jahre lang schätzten die zollerischen Burggrafen von Nürnberg die Cadolzburg als Ausweich-Residenz. Die burggräfliche Familie hatte sich schmollend hierher zurückgezogen, weil die Bürger der Reichsstadt offen und heimlich die burggräflichen Widersacher unterstützten. Dies artete sogar in kriegerische Auseinandersetzungen aus. Der kleine Markt Cadolzburg musste darunter leiten, die Nürnberger eroberten den Ort erobert und brannten ihn nieder. Auch die Mühlen wurden zerstört um die Brotversorgung des Gegners lahm zu legen. Erst als die Kräfte beider Parteien erschöpft waren, kam es 1450 zu einem vorläufigen Ausgleich und drei Jahre später zu einem Friedensvertrag.

Die hochgesteckten Pläne des Markgrafen Albrecht Achilles führten im 15. Jahrhundert erneut zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Cadolzburg wurde wieder einmal niedergebrannt.

Trotz sozialer und gesellschaftlicher Umwälzungen schien das 16. Jahrhundert Cadolzburg relativen Frieden beschert zu haben. Auch der Dreißigjährige Krieg schien an Cadolzburg vorbei zu eilen. Dann lagerte jedoch von Juli bis September 1632 die Wallenstein´sche Armee bei Zirndorf. Nach den Einfällen 1631-1634 waren über zwei Drittel aller Häuser niedergebrannt oder verfallen.

Bereits wenige Jahre nach dem Friedensschluss begann der Wiederaufbau. 1659 wurde die Abhaltung von Wochenmärkten dienstags und freitags genehmigt. Dennoch zog sich der Aufbau Jahrzehnte hin.

Während der Regierungszeit des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich entstand in eineinhalbjähriger Bauzeit von 1750 bis 1751 in Cadolzburg auf den Grundmauern der mittelalterlichen Vorgängerkirche eine neue Pfarrkirche in den Formen des französischen Klassizismus. Dennoch erhielt der Kirchenbau auch eine fränkische Ausprägung: Die Fassaden wurden durch Lisenen und Fensterbänder, wie damals typisch, zurückhaltend gegliedert. Ebenso schlicht gehalten ist der Innenraum mit der auf drei Seiten umlaufenden doppelten Empore, der einer stattlichen Gemeinde Raum bietet.

1806 wurde Cadolzburg ins königliche Bayern überführt. Das bedeutete eigentlich nichts, denn alle Geldsäckel waren leer, die der Gemeinde und die des Staates. Der bayerische Staat verkaufte ehemals herrschaftlichen Grund und ermöglichte so die Erweiterung des Ortes. Die Erwerbssituation im Ort war ungünstig. Es hatte sich zwar ein beachtliches Kleingewerbe mit überdurchschnittlich vielen Webern, Schneidern und Drechsler gebildet. Sie arbeiteten jedoch für Fabriken und Verleger in Fürth, waren den konjunkturellen Schwankungen erheblich ausgeliefert und erzielten kaum den nötigsten Lebensunterhalt. In der Landwirtschaft begann man Hopfen und Tabak anzubauen. Schon 1788 waren die hier angebauten Zwetschgen, Äpfel, Nüsse und Weintrauben (später auch Kirschen) wegen ihrer Güte und Größe gerühmt worden. Wichtig war die Erweiterung der Bahnlinie Fürth-Zirndorf nach Cadolzburg. Und die Eisenbahngesellschaft erbaute als Attraktion den Aussichtsturm. Als „Bleistift“ ist er zum Wahrzeichen des Ortes geworden.

Die Stadt kam einigermaßen durch den Ersten Weltkrieg, wenngleich die wirtschaftliche Not groß war. Und auch den Zweiten Weltkrieg hätte man fast unbeschadet überstanden. Eigentlich war der Krieg schon verloren, die Amerikaner rückten bereits auf Nürnberg vor, da setzte sich eine Gruppe der 17. SS-Panzergrenadier-Division in Cadolzburg fest, um von der Feste aus Widerstand zu leisten. Am frühen Nachmittag des 17. April 1945 griffen die Amerikaner Cadolzburg an. Der Widerstand war so erbittert, dass die amerikanische Infanterie einen Luftangriff auf Cadolzburg anforderte. Zum Glück für den Ort standen keine Flugzeuge zur Verfügung. Dennoch wurde der Widerstand mit Artillerie und Panzerkanonen niedergekämpft und die Cadolzburg mit Raketen beschossen. Nach Abschluss der Kämpfe brannte nicht nur die Burg. Sechsundfünfzig weitere Gebäude – Wohnhäuser, Werkstätten, Ställe und Scheunen – waren mehr oder weniger zerstört, beschädigt und unbenutzbar. Außerdem mussten die Einwohner zusammenrücken. Ausgebombte und Evakuierte aus Nürnberg und aus Norddeutschland wurden hier untergebracht. Am 1946 kamen die Flüchtlingstrecks aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien. Die Versorgungslage war schwierig und die Wohnungsnot gravierend. Aber dennoch ging es langsam aufwärts und Cadolzburg wandelte sein Gesicht in den Jahren 1950-1970 erheblich.

Spät wurde mit einem Kostenaufwand von mehr als 20 Mill. Euro die zerstörte Cadolzburg soweit wieder hergestellt, dass sie äußerlich ihr altes Aussehen erlangt hat.

Stadtbegehung

Vielleicht beginnt man mit Stadtbegehung am „Bleistift“, dem Aussichtsturm. Er befindet sich außerhalb der Altstadt, auf dem höchsten Punkt, heute umgeben von lauter Einfamilienhäusern. Der sogenannte Bleistift wurde 1893 im neugotischen Stil errichtet. Er bietet bei klarem Wetter eine weit reichende Rundumsicht. Man kann sich hier auch gut über den Ort und die Umgebung orientieren. Früher war er vor allem für die Fürther ein beliebtes Ausflugsziel, um am Wochenende oder besonders zur Kirschbaumblüte mit der Bahn nach Cadolzburg zu fahren. Ein quadratisches Holztreppenhaus führt über fünf Stockwerke nach oben. Den Abschluss bildet eine Turmspitze mit vier dekorativ hervortretenden Fenstern an jeder Seite. Der Turm ist gegen einen Spendenbeitrag zu begehen und grundsätzlich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang unbewacht offen.

Heute sieht man wenig vom historischen Leid des Ortes, wenn man durch das Obere Tor die Stadt betritt und auf dem Marktplatz steht. Schöne renovierte Fachwerkhäuser stehen hier, kleine Restaurants und Kneipen sind darinnen untergebracht. Im Sommer stehen Tische und Stühle auf der Straße.

Wenn man die Straße entlang schlendert kommt man ganz automatisch zur Burg. Schon der Vorraum zur Burg ist sehenswert. Hier befinden sich ein ehemaliges Schulhaus, das heutige Pfarrhaus und Privatwohnungen. Dann kommt man über eine Brücke zur Burg. Leider ist das Tor meistens verschlossen. Das ist aber nicht so schlimm, weil man vom Innenraum der Burg auch so gut wie keinen Ausblick hat und die Räumlichkeiten selbst noch nicht renoviert und eingerichtet sind.

Eine gepflasterte Straße führt links von der Burg zum Heimatmuseum im ehemaligen Rathaus. Es wurde 1668 erbaut. Der Heimatverein das Rangau-Heimathaus hat das Museum eingerichtet. In zwölf Räumen bietet es einen Überblick über die Geschichte Cadolzburgs sowie der Geologie der Region. (Öffnungszeiten: Dez. – Feb. und Aug. nach Vereinbarung, sonst 1. und 3. Sonntag im Monat 10-12 und 13-17 Uhr).

Dann gehen wir hinunter zur Kirche. Sie wurde 1750/51 in klassizistischen Barockformen als Saalbau neu über einem wohl gotischen Vorgängerbau errichtet. Das Innere bestimmt eine umlaufende Emporenanlage mit einer Altarwand im Osten und der Orgel im Westen. Der Taufstein entstammt der barocken Neubauphase (datiert 1751). Beachtlich ist die wohl erst nachträglich aus spätgotischen Holzschnitzfiguren zusammengestellte Kreuzigungsgruppe aus dem Umkreis des Veit Stoß.

Unten kommt man zu den Gemeindeweihern, von denen man bereits einen schönen Blick auf die Burg hat. Es schließt sich das Bauhaus, also das ehemalige Landwirtschaftshaus der Burgherren an. Heute befindet sich darinnen ein Restaurant.

Der kulinarische Tipp:

Der Bauhof und seine Geschichte sind eng verbunden mit der „Cadolzburg“, die sich unweit der historischen Gaststätte befindet. Die erste urkundliche Erwähnung, des Bauhofes datiert aus jener Zeit, wo mit dem Bau der Burg begonnen wurde. Aus der alten Familien-Chronik geht hervor, dass der Bauhof als Vorwerk der Burg entstand. Über den Bauernhof und seine Brauerei mussten sich ursprünglich die Besitzer der Burg ernähren. Der Bau fungierte auch als Zehnthof, in dem die Untertanen den Zehnten für den Burggrafen abgeben mussten. Jede 10. Fuhre Getreide, aber auch Rinder, Schweine, Fisch, Geflügel und Eier gingen an den Burgadel. Selbstverständlich forderten die Herrschaften auch den Zehnten vom selbstgebrauten Bier und Branntwein. Anno 1645 konnte der Bauernhof, mit Brauerei, Gasthaus und Brennerei von den Vorfahren der heutigen Besitzer erworben werden. 1925 wurden Brauerei und Brennerei aufgegeben, der Bauernhof und die Gaststätte jedoch weitergeführt.

Heute hat das Restaurant einen guten Ruf über Cadolzburg hinaus. Die regionalen und saisonalen Speisen werden mit Liebe zubereitet, ein stets freundlicher Service und gemütliche Räumlichkeiten erwarten den Gast. Der Bauhof ist für jeden Anlass eine gute Empfehlung.

 (Restaurant Bauhof, Thomas Weißmann, Bauhof 1, 90556 Cadolzburg, Tel.: 09103-713 444, www.restaurant-bauhof.de)

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