7. Tagebucheintrag – Die Geschichte vom „Kleinen Fahrradladen“
Feb 6th, 2010 | By Werner Schwanfelder | Category: Tagebuch zum BuchEs war genau eine Woche vergangen seit jenem Todesfall. Die Arbeit im Laden lief weiter, aber irgendwie auf kleiner Flamme. Wir spulten Routine ab. Aber wir spürten nicht mehr die aufmunternde Freude bei der Arbeit, die kreativen Kräfte, die uns so viele Ideen beschert hatten. Alles wirkte reichlich mau. So wie wenn eine dicke Decke über allem liegen würde und einhüllt und auch jeden Laut erstickt.
An diesem Tag nach Feierabend kamen die Frau des Chefs und die Tochter und wir setzten uns alle in den kleinen Frühstücksraum.
Da saß nun Herbert Jäger, der Meister. Er trug die technische Verantwortung. Er war zuständig für das Sortiment an neuen Fahrrädern und kümmerte sich um den Einkauf. Neben ihm saß Rudi Ernst der erste Mechaniker. Er war am längsten im Fahrradladen und hatte die Werkstatt unter sich. Er hatte zwei Gesellen, die neben ihm saßen. Peter Sauer und Ralf Horcher, beide jung und tüchtig, Sie würden am ehesten einen anderen Job finden. Maria Mündler machte die Buchhaltung und die Verwaltung. Oliver Feucht kümmerte sich um alles, was mit Computern, Telefon und Organisation zu tun hatte. Er hatte als Werkstudent angefangen. Eigentlich hatte er Politologie studiert und einen guten Abschluss gemacht. Er wollte in die Politik gehen oder eine Stelle bei einer internationalen Verwaltung finden. Da er eine solche Stelle aber nicht bekam, entschloss er sich, seinen Werkstudentenjob in einen richtigen Arbeitsplatz umzuwandeln. Peter Lehmann hatte ihm das angeboten. „Dann haben Sie keine Eile, wenn Sie sich etwas anderes suchen wollen. Und wenn Sie was gefunden haben, können Sie uns ja wieder verlassen. Sie müssen mir nur versprechen, dass Sie mir einen neuen Werkstudenten suchen und anlernen.“ Aus dieser Werkstudentenzeit waren nun fünf Jahre geworden. Er hatte viele Bewerbungen geschrieben und hätte auch eine Stelle bei der UNESCO gefunden. Aber dann hatte er sich in Bianca verliebte und Bianca wollte die Stadt nicht verlassen. So sagte er der UNESCO ab und kümmerte sich weiterhin um die Computer im Fahrradladen. Etwas abseits hatte sich Franz Käfer niedergelassen, der Verkäufer. Sein Herz gehörte den Fahrrädern und verkaufen war seine Berufung. Im Hintergrund stand ich, Kuni, ich, der Lehrling.


