20. Tagebucheintrag zum “Kleinen Fahrradladen”

27. September 2010 | Von | Kategorie: Tagebuch zum Buch

 

Die wahre Geschichte: Wer viel arbeitet, soll auch gut ruhen

Am nächsten Abend saßen sie wieder beisammen. Die Sonne schien, es war sommerlich warm. „Wir haben Feierabend.“ Sagte Oliver Feucht. „Ich wollte eigentlich mit Bianca spazieren gehen. Nun sitzen wir schon wieder den ganzen Abend hier.“

„Aber du willst doch mit einsteigen?“ fragte ihn Maria.

„Ja klar. Aber das heißt doch nicht, dass wir jetzt jeden Abend in der Firma sein müssen.“

„Natürlich nicht. Das wäre auch ein Punkt über den wir uns Gedanken machen müssen.“ Maria griff den Faden auf. „Herbert, Du bist teilweise sehr lange im Laden. Müssen wir jetzt alle so lange bleiben, wenn wir nun Unternehmer sind?“

Herbert Jäger zuckte mit den Achseln. „Ich würde sagen, wenn es notwendig ist ja, wenn es nicht notwendig ist, nein.“

„Das kann ich mir aber nur schwer vorstellen.“ sagte Maria.

„Ganz einfach: Wenn heute noch eine Bestellung herausgehen muss, weil die Lieferung in einer Woche unbedingt erfolgen soll, dann muss die Bestellung eben noch herausgehen. Und auch wenn es Mitternacht wird.“

„Aber wir können auch einmal nachmittags aufhören, wenn es nichts mehr zu arbeiten gibt.“ ergänzte Oliver Feucht.

„Glaubst du, dass sich dies jemals ereignen wird?“ warf Ralf Horcher ein.

Franz Käfer stand auf. Bisher hatte er der Diskussion ruhig zugehört. Nun mischte er sich ein. „Das ist doch genau die Frage, was wir wirklich wollen. Wollen wir uns engagieren, weil uns der Laden gehört? Wollen wir ihn entwickeln, wollen wir ihn vergrößern, wollen wir investieren? Oder wollen wir nur eine ruhige Kugel in einer 35 Stunden-Woche schieben? Wenn wir solche Typen sind, sollten wir den Laden nicht kaufen. Wir sollten hoffen, dass ihn die Frau vom Chef gut verkaufen kann und der neue Eigentümer uns 35 Stunden lang beschäftigt. Und uns dann in Ruhe lässt. Dann kann jeder mit seiner Bianca spazieren gehen.“

Oliver Feucht sprang auf. „Macht Euch über meine Bianca nicht lustig. Ihr werdet ja mit Eueren Frauen oder Männern auch irgendwann mal eine bestimmte Zeit verbringen wollen.“

Herbert Jäger winkte ab. „Das war doch nicht so gemeint.“

Aber Franz Käfer entgegnete: „Doch gerade so war es gemeint. Was wollen wir? Wollen wir uns für den Laden engagieren oder mit unseren Frauen und Männern spazieren gehen?“

Maria beendete diese Diskussion. „Ich habe mich bisher schon immer für den Laden engagiert. Das werde ich auch in Zukunft tun. Und vielleicht auch noch mit etwas mehr Herzblut, weil er dann mir gehört. Aber das muss doch auch seine Grenzen haben. Ich kann doch nicht mein ganzes Leben im Laden verbringen?“

Herbert Jäger versuchte zu vermitteln: „Du hast vollkommen recht. Arbeit und Freizeit müssen ausgeglichen sein und sich ergänzen. Ihr wisst, ich habe zwei Kinder. Um die muss ich mich natürlich auch kümmern. Ich würde mir große Vorwürfe machen, wenn ich keine Zeit mehr für meine Kinder hätte.“

Ich meldete mich an dieser Stelle der Diskussion. „Was wollen wir damit sagen? Ich gehe davon aus, dass ich ja wieder formulieren muss. Wärt Ihr einverstanden, wenn ich so formuliere: Wir alle sind bereit uns für den Laden zu engagieren und einzusetzen.“

Rudi Ernst sagte: „Das ist keine Frage. Ich stimme zu. Wenn einer nicht zustimmt, dann können wir den Laden nicht übernehmen.“

Nun fuhr Oliver Feucht hoch: „Ja, aber was heißt das, Tag und Nacht?“

Franz Käfer: „So viel wie notwendig.“

Ich ergänzte: “Aber nicht mehr. Das heißt, wenn nicht notwendig, kann man auch mal um 12.00 Uhr nach Hause gehen.“

„Aber nicht als Lehrling.“ knurrte Ralf Horcher und lachte gleichzeitig. Es war witzig gemeint. Aber ich hatte keine Lust auf Witze.

Ich versuchte zu formulieren: „Wir sind bereit, uns für den Fahrradladen zu engagieren. Wann immer es notwendig ist, werden wir präsent sein. Wir werden mit Worten und Taten den Fahrradladen fördern. Aber wir achten auch darauf, dass wir selbst und unsere Umwelt gesund bleiben. Wir werden uns dazu die notwendige Freizeit nehmen und diese positiv konstruktiv  anwenden.“

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