15. Tagebucheintrag – die Geschichte vom kleinen Fahrradladen

15. April 2010 | Von | Kategorie: Tagebuch zum Buch

Die wahre Geschichte: Verleumdung ist out

Am nächsten Tag gab es einen unschönen Zwischenfall. Eigentlich hatte nichts darauf hingedeutet. Jeder ging seiner Arbeit nach. Herbert Jäger machte eine Bestellung über 300 Fahrräder bei einem seiner Hauptlieferanten fertig. Er hatte einen sehr guten Preis ausgehandelt und sich daher entschlossen diese relativ große Menge von einem Fahrradtyp einzukaufen. Bevor er die Bestellung losschickte, besprach er sich noch kurz mit Franz Käfer, der die Fahrräder ja verkaufen musste. Der kippte fast vom Stuhl. „Nicht diese Fahrräder“, schrie er. „Die sind schon lange aus der Mode. Die kauft heute niemand mehr.“
Herbert Jäger war von dem Ausbruch richtig überrascht. „Wie hatten aber vor zwei Wochen mit dem Chef gerade dies besprochen. Auch Du warst der Meinung, dass wir diese Fahrräder sehr gut gebrauchen könnten. Wir hatten damals vereinbart, dass wir 200 Stück kaufen wollten. Ich wollte mit dir nur die Menge abstimmen. Für die 300 Stück habe ich einen fantastischen Preis erzielt.“
„Was vor zwei Wochen war interessiert heute nicht mehr. Ich würde nicht einmal 100 einkaufen. Und 200 Stück von dem neuen Kaliber-Rennrad. Das verkauft sich gut. Ich habe letzte Woche 28 Stück verkauft.“
„Du weißt aber auch, dass wir bei diesen Fahrrädern fast keine Spanne haben. Wir kaufen sie entweder zu teuer ein oder wir verkaufen sie zu billig.“
„Dann kauf sie halt besser ein. Das ist doch deine Aufgabe.“
„Du hast leicht reden. Über den Preis kann jeder verkaufen. Versuch doch einen besseren Preis bei unseren Kunden zu erzielen.“
Maria kam hinzu und hatte sich die letzten Sätze mit angehört. „Vielleicht sollten wir solche Fragen gemeinsam besprechen und die entsprechenden Grundsätze festlegen. Das muss in den Spielregeln eingearbeitet werden.“
Die beiden Kontrahenten knurrten etwas. Sie würden das schon alleine hinbekommen. Sie setzten sich gemeinsam an einen Tisch und legten fest, wie viele Fahrräder sie von welcher Sorte zu welchem Preis einkaufen wollten und zu welchem Preis sie versuchten zu verkaufen. Es ging doch.

Darüber unterhielten sie sich auch noch am Abend. Maria hatte das Thema in die Diskussion eingebracht. „Wir müssen einfach offener werden. Ich finde, jeder darf und soll Vorschläge machen, auch wenn sie das Arbeitsgebiet des anderen betreffen. Jeder muss sich die Vorschläge offen anhören und sie vorbehaltlos überprüfen. Wenn sich die beiden nicht einigen können, müssen wir alle darüber befinden.“
„Wir können doch nicht jedes Mal alle über so ein Thema reden“, maulte Franz Käfer.
Maria grinste ihn an: „Nimm doch Eueren Konflikt von heute morgen. In den meisten Fällen werden sich die beiden, die es betrifft selbst einigen. Ihr habt euch auch geeinigt.“
„Ich habe da schon einen Vorschlag.“ Bemerkte ich in aller Bescheidenheit. „Die Mechaniker sollen die Schrauben, die sie nicht mehr brauchen, wieder in die richtigen Kästen legen und nicht alle in die Blechdose werfen. Ich muss sie dann nicht mehr sortieren. Ich bin ohnehin der Meinung, dass solche stupiden Tätigkeiten nichts für Lehrlinge sind.“
Alle sahen auf die Mechaniker und die getrauten sich nichts zu sagen. „Also angenommen!“ rief ich ausgelassen.

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