12. Tagebucheintrag – Die Geschichte vom “Kleinen Fahrradladen”

5. März 2010 | Von | Kategorie: Tagebuch zum Buch

Herbert Jäger ergriff dann als erster wieder das Wort. „Liebe Kollegen, wie auch immer. Wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen. Unser Chef wird nicht mehr kommen. Wir alle verdanken ihm viel. Und jetzt macht er uns ein letztes Angebot. Ich glaube, er fordert uns damit heraus. Das soll unsere Bewährungsprobe sein. Stellen wir uns ihr? Oder kneifen wir?“
„Wir packen zu.“ schrie ich begeistert. Alle lachten.
„Da sieh mal unser Lehrling. Sie sagt die Wahrheit.“ Herbert Jäger lachte mit, wurde dann ernst. „Lasst uns abstimmen. Wer stimmt dem Vorschlag unseres Chefs zu? Hand hoch!“
Ich sprang auf und hob die Hand so hoch ich konnte. Auch die Buchhalterin Maria musste nicht überlegen und hob die Hand. Herbert Jäger hielt es für eine Selbstverständlichkeit. Rudi Ernst, der erste Mechaniker hob die Hand „Ich bin dabei.“ Und es folgten daraufhin seine beiden Gesellen Peter Sauer und Ralf Horcher. Oliver Feucht hob die Hand. „Ich bin dabei.“ murmelte er.
Alle Augen richteten sich nun auf Franz Käfer, der sichtlich zögerte. Nach einer kurzen Pause hob auch er die Hand, zumindest halb. „Ich mache mit, aber wir müssen festlegen, wie wir zusammenarbeiten wollen. Das muss vorher geklärt sein.“
Herbert Jäger und die anderen sahen ihn fragend an: „Wie meinst Du das? Jeder macht seine Arbeit wie bisher.“
„Das ist schon klar. Ich meine, wir müssen festlegen, wie wir inhaltlich die Zusammenarbeit gestalten wollen. Ich weiß nicht, wie ich mich ausdrücken soll.“ Er dachte nach und nach einer Pause fügte er hinzu. „Ich stelle mir so etwas wie Spielregeln oder besser Arbeitsregeln vor.“
Herbert Jäger nickte. „Da hast du recht. Das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe einen Schwager, der arbeitet in einem größeren Unternehmen und der hat mir von Leitsätzen erzählt. Die gesamte Belegschaft soll sich gemäß den Leitsätzen verhalten.“
Franz Käfer nickte. „Ja, das könnte so etwas sein. Ich meine nur, wir sollten festlegen, was unser Arbeitsziel und –sinn ist, wie wir das gestalten wollen, was unser Verständnis ist miteinander und untereinander.“
„Ich wünsche, dass wir ein so gutes Team bleiben wie bisher oder vielleicht noch besser werden.“ sagte Maria.
„Ich wünsche mir, dass jeder meine Arbeit anerkennt.“ ergänzte Peter Sauer.
Aber der Meister hob die Hand, bevor noch andere ihre Wünsche anmerken konnten.
„Ich glaube, das sollten wir nicht so unstrukturiert tun. Vielleicht überlegt sich jeder zu Hause ein paar Vorschläge und dann sprechen wir darüber. Und wir tragen das zusammen, entwickeln daraus unsere „Zehn Gebote“. Was meint ihr?“
Wir waren alle damit einverstanden.

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