10. Tagebucheintrag – Die Geschichte vom “kleinen Fahrradladen”

17. Februar 2010 | Von | Kategorie: Tagebuch zum Buch

Worte zum Nachdenken

Ich besitze einen Kalender mit Weisheiten. Jeden morgen lese ich die Zitate und Geschichten. Dann denke ich über den Inhalt nach. Und mit neuer Kraft gehe ich dann zu meiner Arbeit.
An diesem Tag fand ich auf meinem Kalenderblatt die folgenden Zitate und Geschichte:

Es geht um Fähigkeiten.

Welche Fähigkeit besitzen wir alle gemeinsam? Die Fähigkeit, zu verändern. (L. Andrews)

Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, müssen wir zulassen, dass sich alles verändert. (Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896-1957), ital. Schriftsteller)

Auch eine Geschichte aus dem alten Indien berichtet von Fähigkeiten:
Ein Meister tritt mit seinen gehorsamen Schülern auf einem Ochsenkarren eine Reise an. Die Schüler führen den voll beladenen Ochsenkarren. Der Meister ist überzeugt, dass sie die notwendigen Fähigkeiten hierfür haben. Er ermahnt sie. Sie sollen aufpassen, falls etwas vom Karren fällt. Ja, sie versichern, dass sie aufpassen werden.
So legt sich der Meister schlafen.
Als er mach einer Stunde wieder aufwachte und nach Wasser fragte, sagen ihm die Schüler, der Wasserkrug sei heruntergefallen. Darauf schimpfte sie der Meister. Sie antworteten: wir haben aufgepasst, es passierte genau an der letzten Wegkreuzung. Der Meister vermutet, dass er ihnen nicht richtig erklärt habe, was er von ihnen eigentlich verlange. Er sagte nun: Sie sollen aufpassen, dass nichts vom Wagen herunterfällt. Und wenn es dennoch geschieht sollen sie es wieder aufheben.
Dann legte er sich wieder schlafen. Irgendwann wurde er von einem heftigen Gestank geweckt. Seine Schüler hatten überaus folgsam den „Bullshit“ der Ochsen gesammelt und fein säuberlich in den Wagen gelegt.
Der Meister zweifelte an sich und an seinen Schülern. Wie konnte er seinen Schülern beibringen, was er wirklich von ihnen wollte. Er ließ sich ein Stück Papier geben und erstellte eine Inventarliste. Darauf standen alle Dinge, die sich auf dem Wagen befanden. Er übergab die Liste seinen Schülern und gab seine Anweisungen. Sie sollten aufpassen, dass nichts vom Wagen fiel. Geschah es dennoch sollten sie es wieder aufheben und auf den Wagen leben sofern es auf dieser Liste stand.
Die Schüler hatten ihn verstanden. Sie wollten folgsam sein. Der Meister legte sich wieder zurück um zu ruhen.
Als der Wagen später in ein riesiges Schlagloch fuhr, fiel der Meister vom Wagen herab. Die Schüler schauten auf die Liste und da “Meister” nicht drauf stand fuhren sie ohne den Meister weiter.
Es gibt eine Fähigkeit des Mitteilens und eine Fähigkeit des Zuhörens. Dazu gibt es die folgende Zen-Weisheit:: Es kommt nicht darauf an, was der Lehrer sagt, sondern was der Schüler hört.

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Ein Kommentar auf "10. Tagebucheintrag – Die Geschichte vom “kleinen Fahrradladen”"

  1. Heinz Zallmann sagt:

    Hallo Werner,

    nette Geschichte – mir gefaellt insbesondere das sorgfaeltige Einsammeln von Bullshit….

    Hier ist ein Spruch, der mir sehr gut gefaellt, hierbei geht es (unter anderem) um die eigenen Erwartungen,

    Heinz

    THE TRANSFORMATION JOURNEY
    “…Sometimes I look at the world as it is ; and I wonder why ?
    Sometimes I look at it, as it could be ; and I wonder why not ?
    Claude Lévi-Strauss, Anthropologist 1908-2009

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