1. Tagebucheintrag

20. Januar 2010 | Von | Kategorie: Tagebuch zum Buch

Die Geschichte vom „Kleinen Fahrradladen“

Ich arbeite in einem kleinen Fahrradladen. Ich bin der Lehrling, weiblicher Lehrling. Mein Name ist Kuni. Ich glaube, wie jeder Lehrling, muss ich vieles machen, was die anderen nicht tun wollen. Aber ich bekomme auch Informationen, ich werde auch vernünftig ausgebildet. Und ich arbeite gerne hier – schon allein, weil ich Fahrrad-Fan bin.

An diesem Morgen hatte pünktlich wie jeden Tag um 8.00 Uhr morgens der Arbeitstag begonnen. Der erste Kunde mit einer kleineren Reparatur wartete schon ungeduldig vor der Tür. Unser Fahrradmechaniker nahm sich Punkt 8.00 Uhr des Problems an und war auch schon exakt 9 Minuten später damit fertig. Der Kunde konnte wieder losziehen. Sein Weg führte ihn zu seiner Arbeitsstelle. Er fuhr wie jeden Tag mit dem Fahrrad. Das Auto hatte er schon vor vielen Jahren verkauft. Er liebte das Fahrradfahren. Außerdem waren ihm die Unterhaltskosten zu hoch geworden. Insbesondere der Benzinpreis war in astronomische Höhen gestiegen. Der Fahrradladen lag gerade auf seinem Weg ins Büro. Dort ließ er sein Fahrrad regelmäßig warten. Diesen Luxus genehmigte er sich.

Auffällig war an diesem Morgen, dass unser Chef, der Besitzer des Ladens nicht erschienen war. Sonst war er jeden Tag zur Stelle, pünktlich um acht Uhr. Wir, seine Belegschaft, zeigten uns leicht irritiert.

Ich fragte einfach so: „Kommt der Chef denn heute nicht?“

Die anderen zuckten nur mit den Schultern.

Sie begannen ihre Tagesarbeit und für einige Zeit konzentrierten sie sich darauf, so dass ihre Gedanken nicht spazieren gingen.

Aber es wurde neun Uhr und der Chef war noch immer nicht erschienen. Da sagte der Meister zu mir: „Kuni geht doch mal in die Wohnung und frag nach, wo der Chef bleibt.“

Ich maulte leicht. Das ist gerade das, was ich meine. Der Lehrling muss immer das tun, was den anderen nicht passt. Eigentlich wollte ich etwas für die Berufsschule lernen und ich hatte die Aufgabe, die Schrauben zu sortieren. Das ist kein schöner Job. Die beiden Mechaniker werfen die Schrauben immer nur reichlich willkürlich in eine Blechschachtel. Sie waren sich zum Sortieren natürlich zu gut.

Aber dann zog ich doch los.

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